Was ist uns das Wasser wert?

Der Weltwassertag am 22. März thematisiert in diesem Jahr den Wert von Wasser – eine Fragestellung, die komplexer nicht sein könnte. Mancherorts in Unmengen vorhanden, aber in immer mehr Regionen ein knappes Gut, ist das blaue Gold eine lebensnotwendige Ressource, deren Bedeutung stetig zunimmt. Auch als Anlagethema ist «Wasser» aktueller denn je.

 

Ein essenzielles Thema

Dass Wasser ein knappes Gut ist, könnte man als Verbraucher in Nord- und Mitteleuropa sowie in Nordamerika leicht vergessen. Schliesslich kommt das nasse Element in unseren Breitengraden jeden Morgen verlässlich und in bester Qualität aus dem Wasserhahn. Doch dies ist nicht überall auf der Welt so. Gemäss Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben weltweit 2.2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, gar 4.5 Milliarden Menschen fehlt der Zugang zu sanitären Einrichtungen. Nach Schätzungen der Weltbank führen eine schlechte Sanitär- und Wasserversorgung sowie unzureichende Hygiene jährlich zu 675`000 Todesfällen und kosten in besonders betroffenen Ländern bis zu 7% an Wirtschaftsleistung.

 

Die Preisfrage

Diese Zahlen zeigen eindrücklich: (Sauberes) Wasser ist wertvoll – und es hat einen Wert. Doch wie hoch ist dieser? Genau diesem Thema widmet sich der diesjährige „World Water Day“, welcher seit 1993 jeweils am 22. März zelebriert wird. Die Frage nach Wert beziehungsweise Wertschätzung des Wassers bezieht sich dabei auf verschiedene Dimensionen. So geht es neben dem Ernährungs- und Gesundheitsaspekt von Wasser auch um dessen Wert als Produktionsfaktor in Landwirtschaft und Industrie sowie den (oft unterschätzten) Wert von Wasser-Infrastruktur (Speicherung, Aufbereitung und Versorgung). Der Weltwassertag soll auch daran erinnern den natürlichen Wasserkreislauf – die vielleicht wichtigste Dienstleistung unseres Ökosystems – mehr wertzuschätzen und entsprechende Schritte zum Schutz unserer Umwelt voranzutreiben. Und schliesslich soll auch dem soziokulturellen Aspekt des Wassers Wert beigemessen werden – als Quelle der Erholung und des Spirituellen sowie als intrinsischer Teil jeder Kultur. Denn Wasser – der sogenannte Quell des Lebens – ist mehr als eine Ressource, die allein ge- und verbraucht wird.

 

 

Das Wasser wird knapp | „Business as usual“ wird problematisch

Wasserstress im Jahr 2040 auf Basis der geschätzten Entnahmen und Vorräte

Quellen: World Resources Institute, Kaiser Partner Privatbank

 

Die Frage nach dem fairen (ökonomischen) Wert von Wasser ist nicht leicht zu beantworten, auch weil es keine universelle Antwort gibt. Da Wasser immer knapper wird, müsste es eigentlich teurer werden. Angesichts der komplexen Preisgestaltung und ineffizienter Märkte entsprechen die Preise aber selten dem wahren Wert. Wasser ist ein besonderes Gut. Beim Entspringen hat es den Charakter eines öffentlichen Guts, welches einer strengen Regulierung (Umweltschutz) bedarf, damit die Quellen erhalten bleiben. Durch Kanäle, Rohr- und Aufbereitungssysteme wird es zu einem privaten Gut. Man kann das Wassergeschäft daher nicht allein dem freien Markt überlassen – es braucht den richtigen regulatorischen Rahmen. In einigen besonders von Trockenheit und Wassermangel betroffenen Ländern wie beispielsweise in Australien hat sich in den letzten Jahrzehnten ein Markt für den Handel von Wasserrechten etabliert. Politische Skandale um überteuerte Wasserlizenzen und Schlagzeilen über profitgierige institutionelle Investoren blieben aber nicht aus und offenbarten die Risiken eines Preisschilds für die knappe, lebensnotwendige Ressource. Auch in Kalifornien hat sich seit Längerem ein Markt für Wasserrechte etabliert. Seit Dezember letzten Jahres lassen sich die kalifornischen Wasserpreise an der Chicagoer Rohstoffbörse CME, gemessen am Nasdaq Veles California Index, nun auch mittels Terminkontrakten handeln. Die Bilanz nach den ersten Wochen fällt allerdings ernüchternd aus: Bisher fanden täglich nur wenige Transaktionen statt und das Handelsvolumen ist entsprechend gering.

Investitionen in Wassersicherheit und -versorgung bieten zugleich eine wert- und nachhaltige Anlagemöglichkeit.

Der blaue Trend: Barrieren…

Doch wichtiger als das Wissen um die (lokalen) Marktpreise von Wasser sollte der Blick aus der Vogelperspektive sein – auch für Anleger. Neben den oben beschriebenen Kategorien, welche Wasser aus verschiedenen Perspektiven einen Wert geben, bieten Investitionen in Wassersicherheit und -versorgung zugleich auch eine wert- und nachhaltige Anlagemöglichkeit. Eine der offensichtlichsten Spielarten sind dabei – zumindest in der Theorie – Investitionen in Wasserinfrastruktur.

Gemäss einem Arbeitspapier der OECD belaufen sich die wirtschaftlichen Schäden aufgrund von Wasser-Unsicherheit (Sanitär- und Wasserversorgung, Überflutungen und Trockenheit) auf rund 500 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Der grösste Wasser-Investitionsbedarf (und somit auch das grösste Potential) liegt fraglos in den Entwicklungsländern. Die OECD schätzt, dass das Verhältnis von Nutzen zu Kosten bei Investitionen in Wasser- und Sanitärdienstleistungen dort bei 7:1 liegt. Doch obwohl somit ein starker wirtschaftlicher Anreiz gegeben wäre, sind die weltweiten wasserbezogenen Investitionen unzureichend. Um das UN-Nachhaltigkeitsziel Nummer 6 – u.a. den Zugang zu gesichertem und günstigem Trinkwasser für alle Menschen – zu erreichen, müssten beispielsweise rund 1.7 Billionen US-Dollar und damit dreimal so viel investiert werden wie derzeit geplant. Die Gründe für diese grosse Finanzierungslücke sind vielfältig. So sind Investitionen in Wasserinfrastruktur in der Regel sehr kapitalintensiv und mit einer hohen Amortisationszeit verbunden. Gleichzeitig gestaltet sich die Kostendeckung meist schwierig, weil Wasserdienstleistungen zu günstig angeboten werden (müssen). Das Fehlen geeigneter Analyseinstrumente und Daten zur Bewertung komplexer wasserbezogener Investitionen sowie deren mangelnde Erfolgsbilanz kann Finanziers abschrecken. Nicht zuletzt sind Wasserprojekte oft zu klein und zu kontextspezifisch, was die Transaktionskosten erhöht und es schwierig macht, neue innovative Finanzierungsmodelle in grossem Massstab anzuwenden. Die Finanzierung von Wasserinfrastruktur ist und bleibt eine ausserordentliche Herausforderung. Initiativen wie der jährlich stattfindende „Roundtable on Water Financing“ oder das „World Water Forum“ versuchen regelmässig den notwendigen Dialog zwischen Regierungen, Finanzinstituten, Unternehmen und Zivilgesellschaft herzustellen.

In einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Cerulli erwarten 90% für die nächsten zwei Jahre eine steigende Nachfrage nach Wasser-Investments.

…und Anlagechancen

Anlagevehikel, die den Zugang zu Wasserinfrastrukturprojekten ermöglichen, gibt es zwar. Doch dieses Segment dürfte bis auf weiteres eine Nische bleiben. Wer in den blauen Trend investieren möchte, dem bieten sich aber noch andere Möglichkeiten. Eine gängige (und gut diversifizierte) Variante sind Themenfonds, die sich auf „Wasser“ spezialisiert haben. Allein in der Schweiz sind inzwischen mehrere Dutzend solcher Produkte auf dem Markt. Sie bieten Anlegern die Möglichkeit in Unternehmen zu investieren, die Technologien, Produkte oder Dienstleistungen mit Bezug zur Wertschöpfungskette anbieten – einem Markt also, der sowohl viel Innovation als auch Wachstum verspricht. Auch wer lieber passiv anlegen will, hat eine immer grössere Anlagepalette zur Auswahl. In einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Cerulli erwarteten 90% der befragten Anbieter von ETFs für die nächsten zwei Jahre eine steigende Nachfrage nach Wasser-Investments. Mit einem entsprechenden Zuwachs an Wasser-fokussierten börsengehandelten Indexfonds ist daher zu rechnen.

 

Ein Markt für Innovationen | Wassertechnologien versprechen Wachstum

Anzahl wasserbezogener Patente

Quellen: OECD, Kaiser Partner Privatbank

 

 

Oliver Hackel, CFA Head of Private Markets & Liquid Alternatives

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