Ask the experts – Was unsere Kunden (und die Finanzmärkte) im Mai 2024 bewegt

Unseren Kundinnen und Kunden stehen wir jederzeit für Anliegen und Fragen zu ihren Portfolios zur Verfügung. Stellvertretend dafür fassen wir einmal pro Quartal die häufigsten Kundenfragen sowie die Antworten unserer Experten zusammen und geben Ihnen damit direkte Einblicke in unsere Vermögensverwaltung und Anlageberatung.

 


Aktien

Der US-Wahlkampf geht in den kommenden Monaten in den finalen Showdown. Welche (US-)Aktien profitieren von einer Wiederwahl Donald Trumps (oder Joe Biden)?

Kaiser Partner Privatbank: Aktienanalysten stellen in diesen Tagen im Vorlauf auf die US-Präsidentschaftswahl am 5. November wieder fleissig „rote“ und „blaue“ Aktienkörbe zusammen. Eine Übung, die von tradingorientierten Anlegern (und den Börsenmedien) zwar geschätzt werden dürfte, sich in den letzten Wahlzyklen aber selten ausgezahlt hat. Ein typischer Trump-Korb (rot) enthält dieses Jahr (wie auch 2016) vor allem Finanz-, Minen-, Industrie- und Energieaktien – die angepriesenen Treiber hinter dieser Selektion sind die Hoffnung auf weniger Regulierung und nicht zuletzt MAGA („Make America Great Again“). Die favorisierten Titel im Biden-Korb (blau) gehören wiederum in die Kategorien Technologie und Elektromobilität, zudem darf der Klassiker – Aktien aus dem Sektor Erneuerbare Energie – nicht fehlen. Anleger, die sich in den vergangenen acht Jahren an einer derartigen Selektion orientierten, hatten möglicherweise interessante Gespräche am Kaffeeautomaten, schnitten mit einem solch „politischen“ Portfolio jedoch schlechter ab als der Gesamtmarkt. Denn die Märkte taten fast exakt das Gegenteil dessen, was die Mehrheit der Analysten vorhersagte. Das Paradebeispiel dafür ist der Energiesektor: Unter Trump 1.0 (2017 bis 2021) waren die eigentlich favorisierten „braunen“ Energieaktien der Old Economy im Vergleich aller Branchen die mit Abstand grössten Verlierer. Unter Biden (2021 bis heute) waren sie – nicht favorisiert – dann die grössten Gewinner. Die vermeintlich grössten Profiteure von Bidenomics aus den „grünen“ Bereichen Wind- und Solarkraft kannten seit der Amtsübernahme des Demokraten hingegen nur den Weg nach unten – so verlor der iShares Global Clean Energy ETF in den letzten knapp dreieinhalb Jahren rund -60%.

 

Aufs falsche Pferd gesetzt? | Biden hat „grünen“ Aktien nicht geholfen

iShares Global Clean Energy ETF (ICLN)

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Auch mit Blick auf die bevorstehende Wahl sind wir geneigt von politischen Wetten abzuraten – nicht nur, weil es im Duell Biden vs. Trump aktuell mehr oder weniger 50:50 steht. Unsicherheit besteht nicht nur darüber, wer nächstes Jahr auf dem Präsidentenstuhl sitzt, sondern auch über die Mehrheitsverhältnisse im Kongress, die effektiv umsetzbare Politik der nächsten Regierung und die mittel- bis langfristigen Auswirkungen dieser Politik auf die verschiedenen Branchen. Unsicherheit herrscht zudem insbesondere auch hinsichtlich der viel wichtigeren langfristigen Einflussgrössen auf den Aktienmarkt im Allgemeinen und einzelne Sektoren im Speziellen: Wirtschaftswachstum, Unternehmensgewinne, Zinsen und Inflation. Anleger sollten – unabhängig von politischen Überlegungen oder Neigungen – auf langfristige (Mega-)Trends setzen. Die Themen Rüstung und Technologie dürften in den kommenden Jahren beispielsweise nicht zuletzt aufgrund der geopolitischen Trends wichtig und entsprechende Aktien kurstechnisch Outperformer bleiben – egal ob rot oder blau im Weissen Haus.

 

Meistens kommt es anders… | …als man denkt

Relative Performance der Branchen gegenüber dem S&P 500 Index

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Währungen

Der Schweizer Franken hat seit Jahresbeginn abgewertet. Ist die Währung noch ein „sicherer Hafen“?

Kaiser Partner Privatbank: Die Abschwächung des Schweizer Franken in diesem Jahr erscheint auf den ersten Blick rasant – zumindest, wenn man es aus der Kurzfrist-Optik betrachtet. So hat er gegenüber dem Euro innerhalb der vier Monate bis Ende April circa 5% nachgegeben. Insbesondere das Tempo dürfte manch einem Angst bereiten – immerhin entspricht dies einer annualisierten Abwertung von mehr als 15%. Schon wenn man aus dem Kursschart etwas herauszoomt, relativiert sich die Lage jedoch. Gegenüber dem Stand vor einem Jahr befindet sich der EUR/CHF-Kurs in etwa auf gleicher Höhe. Anleger, die sich an eine stetige, ununterbrochene Aufwertung der helvetischen Valuta gewöhnt hatten, sollten sich in Erinnerung rufen, dass es vergleichbare und teils deutlich stärkere Abwertungsepisoden in den letzten 10 Jahren in kleineren (September 2022 bis Januar 2023: 6%) oder grösseren (Februar 2017 bis April 2018: 13%) Massen immer wieder einmal gab. Selbst bei einer sehr starken und historisch wenig volatilen Währung wie dem Schweizer Franken gibt es gewisse Schwankungen, die auch einmal nach unten ausschlagen können.

Das Rezept für die jüngste Frankenschwäche ist recht schnell erklärt: Nachdem die Inflation in der Schweiz im Verlauf des letzten Jahres viel schneller als von der Schweizer Nationalbank prognostiziert sank, konnte sie die Leitzinsen früher als allgemein erwartet und vor allem früher als die anderen grossen Notenbanken senken. Damit schrumpfte die Zinsdifferenz gegenüber dem Ausland, was den Franken weniger attraktiv machte. Zudem fand innerhalb der SNB in den letzten Monaten ein Umdenken statt. Eine zu starke Währung ist inzwischen nicht mehr erwünscht, entsprechend wurden die Deviseninterventionen (Frankenkäufe) eingestellt. Denn beispielsweise in der Handelsstatistik waren die negativen Auswirkungen des starken Franken auf Exporteure nicht übersehbar. Mit einem Auge dürften die Schweizer Notenbanker vielleicht auch auf den Immobilienmarkt geschielt haben, wo die geldpolitische Lockerung für etwas Entspannung bei Immobilienbesitzern sorgen dürfte. In der näheren Zukunft könnte sich die Schwächephase des Franken noch etwas ausdehnen. Nachdem sich die Konjunkturvorlaufindikatoren für die Eurozone jüngst stabilisiert haben, sprechen demnächst nämlich auch die Wachstumsdifferenzen eher zu Ungunsten des Franken. Ein Rücklauf des EUR/CHF-Kurses auf das Niveau der Parität scheint daher in Reichweite. Dieses Level dürfte dann allerdings nicht nur eine psychologische Knacknuss sein. Auch aus charttechnischer Sicht liegt etwas darüber bei 1.01 CHF (signifikantes Hoch vom Januar 2023) eine grössere Hürde.

 

Ein sicherer Hafen… | …schützt vor Kaufkraftverlust

Aufwertung des Franken und Inflationsdifferenz

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Ist der Schweizer Franken nun also noch ein „sicherer Hafen“? Dies hängt nicht zuletzt davon ab wie man einen solchen definiert. Aus unserer Sicht muss eine „Safe-Haven-Währung“ wertstabil sein und gegenüber Währungen mit höherer Inflation langfristig aufwerten. Genau dies hat der Franken – auch in jüngerer Vergangenheit – bewiesen. So ist das Preisniveau im Euroraum seit der Corona-Pandemie (in den letzten vier Jahren) um 30% gestiegen, deutlich mehr als in der Schweiz (13%). In etwa im gleichen Ausmass hat der Franken gegenüber dem Euro in diesem Zeitraum aufgewertet. Euro-Anleger konnten mittels Umschichtungen in den Schweizer Franken oder Franken-denominierte Investitionen also einen erheblichen Teil ihrer Kaufkraft erhalten. Unser zweites Kriterium für eine „Safe-Haven-Währung“ ist die Stärke in Phasen geopolitischer und makroökonomischer Krisen. Auch hier gibt es ein Beispiel aus den letzten Wochen: Als Israel am 19. April auf den massiven Angriff des Iran (mit rund 300 Flugkörpern) reagierte und eine Eskalation der Lage im Nahen Osten drohte, wertete der Franken gegenüber Euro und US-Dollar um knapp 1.5% auf. Nachdem sich die Vergeltungsaktion als reine Symbolik herausstellte und der Treiber für die Währungsstärke entfiel, endete diese dann ebenso abrupt.

Egal ob sich die derzeitige Schwächephase noch über Monate oder Quartale hinwegzieht – sie dürfte endlich sein. Der Franken hat weiterhin die Attribute eines sicheren Hafens und dürfte dank höherer Produktivität und tieferer Inflation als im Ausland langfristig weiter aufwerten. Neue Höchstkurse sind daher nur eine Frage der Zeit.

 

Asset Allocation

Europa und vor allem Deutschland werden wachstumstechnisch derzeit von den USA abgehängt. Sollte man die Allokation zu US-Aktien erhöhen?

Kaiser Partner Privatbank: In Europa geht derzeit häufiger wieder die Rede vom „kranken Mann Europas“ um. Gemeint ist, dass Deutschland in den letzten Jahren von der europäischen Wachstumslokomotive zum Wachstumsbremsklotz des alten Kontinents geworden ist. Tatsächlich hat das Land in den letzten Jahren deutlich an Wettbewerbsfähigkeit und an Attraktivität für Investoren verloren. Neben dem Fachkräftemangel und den hohen Arbeits- und Energiekosten bremsen die ausufernde Bürokratie und hohe Steuern den Unternehmergeist aus. Auch bei der Digitalisierung hinkt Deutschland hinterher, während die Bildungsstandards gesunken sind. Der Kontrast zu den Vereinigten Staaten ist gross. Dort boomt die Wirtschaft, unter anderem dank grosser Konjunkturpakete und weiterhin ausgabenfreudiger Konsumenten. Während die 2024er-Wachstumsprognosen für Europa in den letzten Quartalen kontinuierlich nach unten korrigiert wurden, zeigt der Prognosepfeil für die USA klar nach oben.

 

Auf dem Höhepunkt? | Massive Wachstumsdivergenz zwischen den USA und dem Rest

Konsenswachstumsprognosen für 2024

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Allzu grosser Pessimismus ist dennoch nicht angesagt. Denn zwar stagniert das Wachstum im Euroraum aktuell, während die USA stark sind. Leicht wird aber übersehen, dass die Lage vor zwei Jahren genau andersherum war. In der ersten Jahreshälfte 2022 verzeichnete der Euroraum sehr robustes Wachstum, während die USA zwei Quartale in Folge mit negativen Wachstumszahlen hinnehmen mussten. Per simpler Definition wird ein solches statistisches Ereignis als „technische Rezession“ beschrieben. Allein der Umstand, dass das amerikanische National Bureau of Economic Research dieser Beobachtung nicht den offiziellen Rezessions-Stempel aufdrückte, sorgt dafür, dass heute noch immer viele Analysten und Anleger auf die nächste Rezession warten. Jedoch hatte die 2022er Beinahe-Rezession viele Ingredienzien einer typischen Wirtschaftsschwäche – auch an den Finanzmärkten. So kontrahierten die Gewinnmargen der Unternehmen im S&P 500 Index um -11%, während die Aktienkurse um mehr als -20% nachgaben. Das damalige Vorbeischrammen an einer „echten“ Rezession kann im Nachhinein auch als Kraftholen für den nächsten (heutigen) Aufschwung interpretiert werden und ist ein weitere Puzzlestück, das die derzeitige Divergenz zwischen den Regionen erklärt. Ebendiese Divergenz dürfte indes momentan einen Höhepunkt erreicht haben.  Die Konjunkturvorlaufindikatoren deuten an, dass sich das Wachstum in Europa – und auch in Deutschland – in den nächsten Quartalen erholen wird. Damit sollte sich die Dynamikdifferenz zu den USA demnächst wieder verringern.

 

Rezession ohne Stempel | Die USA hatten ihre Wachstumsschwäche bereits 2022

Wachstum gegenüber dem Vorquartal

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

 

Nicht zuletzt aus diesem Grund sollten Anleger ihr Exposure zu US-Aktien aktuell nicht weiter ausbauen. Aus Bewertungssicht ist Amerika teuer. Die unbestritten weiterhin guten Aussichten für die grossen US-Technologieaktien, welche für die US-Outperformance der letzten Jahre hauptsächlich verantwortlich waren, sind mittlerweile eingepreist. Wer hohes Wachstum, solide Margen und Marktführerschaft sucht, findet dies auch in Europa. Die derzeitigen Wachstumsschmerzen Deutschlands und die politische Malaise Europas sind zwar durchaus kritisch zu betrachten, sollten Anleger aber nicht von einer soliden Diversifikation ihrer Anlagen abhalten. Vor allem sollte man angesichts der offensichtlichen Herausforderungen nicht Objektivität und Optimismus verlieren. Denn es gilt festzustellen, dass sich gute Unternehmen – sowohl bei den europäischen (und Schweizer) Small-, Mid- und Large Caps – selbst in einem widrigen Umfeld in der Vergangenheit und wohl auch in der Zukunft gut schlagen werden. Für eine gutes Anlageergebnis entscheidend ist dabei allerdings die richtige Aktienselektion.

 

Anleihen

In der Schweiz hat die SNB die Zinswende bereits eingeleitet, im Euroraum steht sie kurz bevor. Sollte man sich jetzt noch die hohen Renditen sichern? Kann man auf diese Weise die Inflation schlagen?

Kaiser Partner Privatbank: In den USA wird die Leitzins-Wende aktuell zwar verbal nach vorne gestossen, als wäre sie die sprichwörtliche Dose auf der Strasse – in Europa steht eine geldpolitische Lockerung trotzdem unmittelbar bevor. Die EZB dürfte erstmals in ihrer Geschichte vor der US-Notenbank die Zinsen senken. Konkret wird dies wohl an der Sitzung im Juni vollzogen werden. Eingeleitet wurde die Zinswende aber schon vor einigen Wochen durch den Überraschungscoup der Schweizerischen Nationalbank, die aufgrund der überraschend schnell fallenden Inflation das ohnehin vergleichsweise niedrige Leitzinsniveau um 25 Basispunkte auf 1.5% reduzieren konnte.

 

 

Zinswende voraus… | …aber keine Zurück auf Null bei den Renditen

Leitzinsen und Anleiherenditen

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Sinkende Zinsen am kurzen Ende der Zinskurve bedeuten allerdings nicht unmittelbar auch fallende Renditen bei Staats- und Unternehmensanleihen mit mittleren und langen Laufzeiten. In „normalen“ Zeiten ist die Zinskurve nämlich ansteigend – für das Risiko einer längere Haltedauer werden Anleger in der Regel durch höhere Renditen entschädigt. Und selbst wenn die Leitzinsen in Europa demnächst etwas fallen werden, seht nicht in Aussicht, dass sie auch nur annähernd zurück auf die Niveaus der Jahre 2020 und 2021 zurückfallen werden. Eine realistische Zielgrösse für die Leitzinsen erscheint die Marke von 3% beim Einlagezinssatz der EZB bzw. ein Level von 1% im Falle der SNB. Staats- und Unternehmensanleihen dürften daher noch für längere Zeit attraktiv sein.

FOMO („Fear of missing out“) können und sollten Anleger daher vermeiden – unter (Zeit)Druck handeln ist nie ein guter Rat. Wer bei Anleihen mit guter Bonität aktuell noch untergewichtet ist, sollte sein Engagement aber zumindest auf eine neutrale Position erhöhen. Anleger, die mit Anleihen der Inflation ein Schnippchen schlagen bzw. eine positive Realrendite erzielen möchten, sollten jedoch eines bedenken: Dies funktioniert nur dann, wenn man die erworbenen Anleihen bis zur Endfälligkeit hält. Vorausgesetzt, dass die Inflation über den gesamten Zeitraum im Schnitt tiefer ist als die Verfallsrendite der Anleihe beim Kauf. Wer die Anleihen aber vor Ablauf der Fälligkeit verkauft, geht ein Zinsrisiko ein und hat im schlechtesten Fall – bei einem starken Anstieg des allgemeinen Renditeniveaus – nicht nur an Kaufkraft verloren, sondern muss zusätzlich noch Kursverluste einbuchen.

 

Makro

Inwiefern könnte Japan vom strategischen Wettbewerb zwischen den USA und China profitieren. Was sind die Aussichten für den USD/JPY-Kurs?

Kaiser Partner Privatbank: Ein Angriff Chinas auf Taiwan steht zwar nicht unmittelbar bevor und erscheint auch in den nächsten 2-3 Jahren unwahrscheinlich. Aufgrund der extrem hohen Bedeutung Taiwans für die globale Chipindustrie steht dennoch insbesondere die Technologiebranche unter Druck ihre Lieferketten zu diversifizieren und grosse Chipfabriken an anderen Standorten aufzubauen. Neben den USA, welche aufgrund des milliardenschweren CHIPS and Science Acts besonders gute Voraussetzungen für einen demnächst wieder grösseren Marktanteil haben, gehört Japan zu den grössten Profiteuren. Beispielsweise plant der taiwanesische Chipriese TSMC auf der südjapanischen Insel Kyushu eine seiner grössten internationalen Investitionen der letzten Jahre. Die 8.6 Milliarden US-Dollar teure Fabrik dürfte bereits Ende des Jahres eröffnet werden und wurde mit 3.2 Milliarden US-Dollar vom japanischen Staat subventioniert. Ein weiteres Werk für noch fortschrittlichere Chips wurde bereits angekündigt. Japan profitiert nicht nur aufgrund der riesigen Investitionssummen. Auch aus technologischer Sicht und Know-How-Gewinn ist die Ansiedlung ein Vorteil – die neuen Fabriken werden als Joint-Venture mit grossen japanischen Unternehmen wie Sony, Denso oder Toyota aufgesetzt.

Die Bank of Japan steckt aktuell in einem wahren Dilemma. Zwar hat sie im ersten Quartal die Zinswende nach oben eingeleitet und damit die Zinsdifferenz zum Ausland verringert. Da sich die US-Zinsperspektiven in den letzten Wochen massiv verändert haben, die für 2024 erwarteten Zinssenkungen der Fed zum grössten Teil ausgepreist wurden und die US-Renditen deutlich anzogen, bleibt der japanische Yen aber überaus schwach. Nachdem die japanische Notenbank ihre Politik Ende April unverändert liess, fiel der Yen gegenüber den US-Dollar abermals auf ein neues 34-Jahres-Tief. Der weitere Verlauf des USD/JPY-Währungskurses lässt sich nur schwer prognostizieren. Für eine echte Trendwende gibt es nur ein Mittel – die Abkühlung der US-Wirtschaft und tiefere US-Anleiherenditen. Allerdings liegt dieser Hebel nicht in der Hand der Bank of Japan. Sie hat nur die Wahl zwischen einer schlechten und einer noch schlechteren Option. Wie in der Vergangenheit bereits geschehen könnte sie in Kürze zu Deviseninterventionen greifen. Verbal entsprechend vorgespurt hat nicht nur BoJ-Gouverneur Ueda. Auch die Finanzminister der USA, Südkoreas und Japans haben verlauten lassen, dass sie die Bewegungen am Währungsmarkt derzeit eng verfolgen. Interveniert die BoJ tatsächlich erneut, könnte sie die Yen-Schwäche zwar kurzzeitig aufhalten. Im Ringen mit Spekulanten, die den Yen für Carry-Trades nutzen oder von seinem ausgeprägten Trend profitieren, könnte sie aber als Verlierer vom Platz gehen. Die nur leicht bessere Option wären zügige weitere Zinserhöhungen – diese könnten die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuss erwischen und die Yen-Schwäche etwas länger stoppen. Allerdings ist der Spielraum für die Notenbank hier kleiner als vielleicht erwünscht. Nach Dekaden von Tief- und Tiefstzinsen könnten die japanische Wirtschaft und deren Akteure mit einem schnellen Zinsanstieg überfordert sein. Kollateralschäden wären nicht auszuschliessen. Erst eine markant schrumpfende Zinsdifferenz zwischen Yen und US-Dollar dürfte den nötigen Regimewechsel bedeuten. Japan muss hoffen, dass die zuletzt wiederholt aufgeschobene Rezession in den USA früher kommt als aktuell vom Markt erwartet und eingepreist.

 

Auf Interventionskurs | Der Bank of Japan reisst der Geduldsfaden

US-Dollar vs. Japanischer Yen

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Oliver Hackel, CFA Head of Private Markets & Liquid Alternatives

Investment News

 

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