Biden vs. Trump – die Zweite
Rund ein halbes Jahr vor den US-Wahlen bestehen kaum noch Zweifel: Joe Biden tritt gegen seinen Vorgänger Donald Trump an – wenn nicht gesundheitliche Probleme des einen oder eine Inhaftierung des anderen dieses Rematch noch verhindern. Sechs Monate sind in (US-)Wahljahren eine Ewigkeit. Vieles kann (und wird) zwischen heute und dem 5. November noch passieren. Dennoch wagen wir einen Ausblick auf das wohl wichtigste Ereignis im geopolitischen Kalender 2024 und dessen mögliche Implikationen für die Finanzmärkte.
MAGA MAEG (Make America Even Greater)…
Die Amerikaner haben im November eine Wahl, die sie nicht wollen. Denn eine Mehrheit lehnt eine Neuauflage der Präsidentenwahl von 2020 ab. Dennoch läuft bisher alles auf dieses Duell hinaus. Auf der einen Seite Donald Trump, der seine Niederlage vor vier Jahren bis heute nicht eingesteht und auf Rache sinnt. Auf der anderen Seite Joe Biden, der seinen Wunschgegner erhält und sich für den Einzigen befindet, der Trump schlagen könne.
Dass ein Trump 2.0 heute überhaupt möglich ist, schien nach dem Sturm aufs Kapitol im Januar 2021 kaum denkbar. Mit seinem Comeback hat Trump einmal mehr alle Kritiker überrascht. Seine zahlreichen Gerichtsprozesse schaden ihm politisch bislang nicht, eher das Gegenteil ist der Fall. Mit mehr als 50 Prozent Beliebtheit hat Trump noch immer einen überwältigenden und konstanten Rückhalt unter Republikanern. Daran änderten auch die zwei Impeachments in seiner Amtszeit, die Leugnung seiner Wahlniederlage von 2020 oder seine nationalistische Rhetorik nichts. Offensichtlich ist Trump für die „Grand Old Party“ noch immer das beste Pferd im Stall.
"Die Amerikaner haben im November eine Wahl, die sie nicht wollen."
Tatsächlich suggeriert unsere subjektive Auswertung einer Vielzahl von Expertenkommentaren, dass Trumps Chancen für einen Wahlsieg mindestens 50:50 sind. Ähnlich ausgeglichen – und für Trump leicht vorteilhaft – gestalten sich derzeit die Wahlumfragen, wo er besser performt als in den Kampagnen 2016 und 2020 und sowohl auf nationaler Ebene als auch in den 6-7 Swing States bis zuletzt vorne liegt (auch wenn Biden jüngst etwas Boden gutmachen konnte). Am Wettmarkt lag der Ex-Präsident ebenfalls lange Zeit vorn, allerdings ist sein Vorsprung dort in den letzten Wochen komplett weggeschmolzen.
In den weiteren Wahlkampfwochen dürfte Trump zwar einen grossen Teil seiner Zeit vor Gericht verbringen. Doch die juristische Strategie seiner Anwälte (zunächst die Prozesse verzögern, nach der Wahl auf Immunität berufen) könnte aufgehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Trump noch vor der Wahl zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird, scheint jedenfalls äusserst gering. Zurück auf dem Regierungssitz dürfte das Motto dann lauten: „Make America Even Greater“. Das Trump-typische erratische Verhalten wäre wohl auch in einer zweiten Amtszeit an der Tagesordnung. Allerdings würde die Machtübernahme von seinem Team diesmal deutlich besser vorbereitet sein. Erste Punkte auf seiner Agenda dürfte Trump schon an Tag 1 im neuen alten Amt abhaken wollen.
Ein enges Rennen | Die Wahlprognosen sehen rot, der Wettmarkt (nun wieder) blau
Quellen: Realclearpolitics, Kaiser Partner Privatbank
…oder WCFTJ (We Can Finish The Job)?
Bidens Chancen auf eine zweite Amtszeit scheinen rund ein halbes Jahr vor dem Wahltermin auf den ersten Blick bestenfalls mässig. 81-jährig ist er der mit Abstand älteste Kandidat, welcher sich einer Wiederwahl stellt – Fragezeichen bezüglich seiner körperlichen und mentalen Fitness sind nur schwer wegzuwischen und könnten demokratische Wähler zweifeln lassen. Auch Drittparteien und parteilose Einzelkämpfer könnten Biden das Leben schwer machen beziehungsweise ihm wichtige Stimmen entreissen. Problematisch sind für den aktuellen Präsidenten nicht zuletzt seine schlechten Umfragewerte – mit einer Zustimmungsquote von nur 40% ist Biden so unpopulär wie keiner seiner Vorgänger zu diesem Zeitpunkt im Wahlzyklus (seit dem zweiten Weltkrieg). Hohe Lebenshaltungskosten, gestiegene Zinsen, hohe illegale Einwanderung – all das lasten viele Bürger dem Demokraten an. Die regelrecht boomende US-Konjunktur und die zuletzt weiter gesunkene Wahrscheinlichkeit für eine Rezession helfen Biden indes bisher nicht. Man könnte meinen die Wahl-Weisheit „It’s the economy stupid“ gilt im Jahr 2024 nicht mehr.
Dass dem nicht so ist zeigt unter anderem eine Umfrage von Pew Research aus dem Januar, in der drei Viertel der Befragten eine Stärkung der Wirtschaft als oberste Priorität angeben. Das eigentliche Problem ist für Biden die hohe Inflation, welche das Preislevel während seiner Amtszeit bisher um mehr als 15% steigen liess – mehr als bei jedem seiner Vorgänger in den letzten 40 Jahren. Nur allzu verständlich ist es vor diesem Hintergrund, dass die Demokraten aktuell regelmässig auf den klaren, wenn auch zuletzt etwas holprigen, Disinflationstrend der letzten 18 Monate hinweisen. Denn auch sie wissen, was in der Literatur als Konsens gilt: Wähler haben ein kurzes Gedächtnis. Demnach kommt es vor allem darauf an wie gut sich die Wähler hinsichtlich ihrer finanziellen Situation am Tag der Wahl fühlen (nicht 6 oder 12 Monate davor). Da die Inflation bis zur Wahl tendenziell sinken und die Reallöhne weiter steigen dürften, kann sich Biden weiterhin Hoffnungen machen, dass die Wirtschaftslage am Ende doch für ihn spricht. Was in den nächsten Monaten allerdings nicht auftauchen darf, ist eine Rezession. Im Falle eines kurzfristen Wirtschaftseinbruchs würde Trump mit höchster Wahrscheinlichkeit den Sieg davontragen. Denn eine Rezession im Wahljahr bedeutete bisher stets eine Abwahl des amtierenden Präsidenten.
Hilfreich könnte für Biden auf den letzten Meilen auch seine gut gefüllte Wahlkampfkasse sein. Allein im ersten Quartal konnte er 165 Millionen US-Dollar an Spendengeldern einwerben – deutlich mehr als Donald Trump im gleichen Zeitraum (90 Millionen US-Dollar). Dieser langt zudem in seine Kasse, um Anwaltsrechnungen zu begleichen. Biden hat daher ein viel grösseres Budget um beispielsweise teure Werbespots in den Swing States zu schalten In vergangenen Wahlen schnitt die Präsidentenpartei zudem oft besser ab als prognostiziert. Getreu des Bidenschen Wiederwahl-Mottos könnte es am Ende durchaus heissen: „We can finish the job“. Voraussetzung dafür ist aber, dass Demokraten nicht nur Zentristen für sich gewinnen, sondern auch ihre Kernklientel (u.a. Afroamerikaner, Gewerkschaftler, Jungwähler) mobilisieren können.
Wenig Zustimmung | Biden kann von starker Konjunktur nicht profitieren
Zustimmung für die Politik des US-Präsidenten
Quellen: Realclearpolitics, Kaiser Partner Privatbank
Was würde Trump 2.0 bedeuten?
Wie würde sich die Politik in den USA unter Trump verändern? Dies hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Republikaner auch in beiden Kammern des US-Kongress die Oberhand gewinnen. Und selbst wenn ihnen dies gelingt, wird Trump nicht alles auf seiner Agenda erreichen können. Schon in den ersten Monaten im Amt könnte viel politisches Kapital aufgebraucht sein. Trump dürfte dann mit dem wachsenden Widerstand der Bundesbürokratie, der öffentlichen Meinung, der Medien, des Obersten Gerichtshofs, gemässigter Republikaner und seitens der Finanzmärkte konfrontiert werden. Kurze Zeit später stehen dann schon wieder die Zwischenwahlen auf dem Programm.
Die republikanische Agenda kann je nach globalem Kontext und Trumps Launen im Detail wechseln. Bei den folgenden Punkten sind Änderungen beim Status Quo aber relativ wahrscheinlich:
- Höhere Zölle: Trump hat einen allgemeinen Einfuhrzoll von 10% in Aussicht gestellt. China droht er gar mit dem Entzug des Meistbegünstigungsstatus und Zöllen bis zu 60%. Sollte der amerikanische Protektionismus auf diese Weise nochmals einen Gang höher schalten, wären Vergeltungsaktionen der US-Handelspartner sehr wahrscheinlich und der globale Handel würde einen weiteren Schock erleiden. Ein „Wie du mir, so ich dir“ wäre in jedem Fall eines: inflationär.
- Begrenzung der Einwanderung: Die poröse Südgrenze ist für viele Wähler ein wichtiges Thema und dürfte von Trump schnell angegangen werden. Er könnte einen nationalen Notstand ausrufen, dürfte die Grenzsicherheit erhöhen sowie für tiefere illegale und legale Einwanderung sorgen. Längerfristig würde eine niedrigere Einwanderung zu einer signifikanten Abschwächung des Wachstums bei der Erwerbsbevölkerung führen. Auch eine solche Entwicklung hätte eine tendenziell inflationssteigernde Wirkung.
- Steuersenkungen: Trump möchte die von ihm 2017 erlassenen (und 2025 auslaufenden) Steuersenkungen dauerhaft beibehalten und liebäugelt mit weiteren Steuerkürzungen. In der kurzen Frist würde die Konjunktur einen weiteren Schub erhalten. Das ohnehin tiefrote Haushaltsdefizit würde indes längerfristig noch grösser werden.
- Einmischung in die Geldpolitik: Trump hat die Zinserhöhungen der Fed kritisiert, sich gegen Notenbankchef Powell ausgesprochen und beabsichtigt dessen Amtszeit 2026 nicht zu verlängern. Zwar kann der US-Präsident die Notenbankspitze nur „aus wichtigem Grund“, nicht „nach Belieben“ entlassen. In einem Streit über die Ernennungsbefugnis könnten die Gerichte Trump am Ende aber nachgeben. Zwar würden moderate republikanische Senatoren einen unorthodoxen Fed-Vorsitz wohl ablehnen, eine geldpolitische Taube könnten sie aber bestätigen. Die Unabhängigkeit der Notenbank wäre mindestens angekratzt.
"Man sollte Trump ernst nehmen, aber nicht unbedingt beim Wort – vieles ist Trumpsche „Verhandlungstaktik“."
…und was nicht?
Genauso interessant wie die Frage, was unter einem wiedergewählten Trump passieren wird, ist die Gegenfrage. Denn vieles, was befürchtet, in manchen Medien hochgekocht oder vielleicht erhofft wird, ist zumindest sehr unwahrscheinlich:
- Die Vereinigten Staaten werden keine Diktatur: Zumindest zu Beginn seiner Amtszeit wird Trump viel Macht innehaben – die gewöhnlichen „Checks and Balances“ könnten erodieren. Schon 2026 stehen jedoch die Zwischenwahlen an, bei denen die regierende Partei in der Vergangenheit fast ausnahmslos Einflussverlust im Kongress erlitt. Spätestens am 20. Januar 2029 wäre dann auch Trumps Neuauflage vorbei. Die benötigten drei Viertel aller Bundesstaaten würden einer Verfassungsänderung zur Verlängerung der Präsidentenamtszeit nie zustimmen. In vier Jahren kann viel passieren – ein autokratisch geführter Staat werden die USA unter Trump aber nicht.
- Kein NATO-Austritt: Trump ist offensichtlich kein NATO-Fan. In seiner Amtszeit hat er bereits mehrfach mit dem Austritt aus der Allianz gedroht. Unter Trump 2.0 wären Tonart und Methoden möglicherweise noch schärfer. Trumps Absicht bleibt aber die gleiche: Die Europäer sollen ihre Verteidigungsausgaben erhöhen und möglichst schnell die Verteidigungsbudgets auf 2% der Wirtschaftsleistung erhöhen. Man sollte Trump ernst nehmen, aber nicht unbedingt beim Wort – vieles ist Trumpsche „Verhandlungstaktik“. Ein Austritt aus der NATO wäre ohnehin nur mit (sehr unwahrscheinlicher) Zustimmung des Senats möglich. Und auch Trump weiss, dass die Verteidigungsallianz in der US-Bevölkerung nach wie vor hohes Ansehen und Unterstützung erfährt.
- Das Haushaltsdefizit wird nicht sinken: Die Projektionen des Kongressbüros für das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung zeigen klar nach oben. Eine echte Ausgabenreform ist aber weder von Republikanern noch von Demokraten zu erwarten. Sollte es unter Trump zu Ausgabenkürzungen kommen, dürften diese durch Steuersenkungen gleich wieder kompensiert werden. Die Aussicht auf eine nennenswerte Haushaltskonsolidierung ist sehr gering – wahrscheinlicher ist, dass das Defizit explodieren wird.
- Subventionen werden nicht gestrichen: Sowohl Trump als auch Biden stehen für eine Wiederbelebung der US-Industriepolitik – bei diesem Thema besteht über die Parteigrenzen hinweg Einigkeit, was eine entsprechende Gesetzgebung möglich macht. Zwar könnte Trump „grüne“ Subventionen kürzen. Der Trend zu vermehrter staatlicher Förderung der US-Industrieproduktion und dem Aufbau nötiger Infrastruktur dürfte aber bestehen bleiben.
- Bürokratie wird nicht gestrafft: Trump behauptet, er werde „den Sumpf trockenlegen“ und die Bundesbürokratie umstrukturieren. Der Regierungsapparat soll zusammengestutzt und der Widerstand gegen die Politik der Republikaner überwunden werden. Bürokratie ist jedoch beharrlicher als man es sich manchmal wünschen würde und die Gerichte werden eingreifen, um eine umfassende „Säuberung“ zu verhindern. Aus Trumps Ansinnen dürfte bestenfalls ein Verwaltungsreförmchen werden.
Zwischenfazit: Auch im Falle von Trump 2.0 werden die USA demokratisch und geopolitisch tonangebend bleiben. Eine zweite Trump-Administration würde aber mit weiter steigenden Defiziten, zunehmendem Wohlstandsgefälle, vermehrtem Arbeitskräftemangel, höheren Importpreisen und einer drohenden Aushöhlung des Regierungsapparats einhergehen. Auf lange Sicht wäre all dies in der Tendenz inflationär. Im Hinblick auf aussenpolitische Gegenspieler wie Russland und China sowie geopolitische Brennpunkte wie den Mittleren Osten ist derweil mit viel Kontinuität zu rechnen. In diesem Sinne dürfte Trump auch die Ukraine nicht fallen lassen, trotz gegenteiliger Drohungen. Seine bekannt transaktionale und rhetorisch aggressive Art dürfte Trump aber beibehalten – für ein dauerhaftes Schlagzeilen-Risiko wäre gesorgt.
Oder doch BBB (Build Back Better)?
So viel zu Donald J. Trump. Doch was passiert, wenn Joe Biden wiedergewählt wird? Vor allem: more of the same. So dürften die Staatsausgaben beispielsweise hoch bleiben. Im Kontrast zu Trump plant Biden allerdings höhere Steuern für Unternehmen und Reiche, was den erwarteten Anstieg der Staatsschulden zumindest dämpfen sollte. Dennoch ist Biden – wie die letzten Jahre zeigen – kein Anti-Trump. Auch für ihn sind höhere Zölle kein Tabu – im Wahlkampf forderte er im April eine Verdreifachung der Zölle auf Stahl und Aluminium aus China. Der grössere Fokus dürfte bei den Demokraten auch zukünftig aber auf der Schaffung zusätzlicher Anreize für Reshoring und den Ausbau der industriellen Kapazitäten in den USA liegen. Weitere Elemente in Bidens bisher nur zum Teil verwirklichten „Build Back Better“-Plan sind die Stärkung der Arbeitnehmer (vor allem durch Gewerkschaften), höhere Sozialausgaben (v.a. für frühkindliche Bildung) und eine verschärfte Wettbewerbspolitik. Umgesetzt werden könnte diese ambitionierte Agenda allerdings nur, wenn die Demokraten in beiden Kammern des Kongresses die Mehrheit gewinnen, was aus heutiger Sicht zumindest recht unwahrscheinlich ist. Sollte dies nicht gelingen dürfte sich Biden auf die Verteidigung dessen konzentrieren, was er im Zuge von Bidenomics bisher erreicht hat – insbesondere die massiven Investitionen in Infrastruktur (Infrastructure and Jobs Act), Halbleiter (CHIPS and Science Act) und grüne Technologie (Inflation Reduction Act). Bei den geopolitischen Herausforderungen dürfte Biden – im Gegensatz zu Trump – weiterhin die Abstimmung mit den US-Verbündeten suchen und einen vergleichsweise leiseren Ton anschlagen.
"Anlagestrategie und Portfoliokonstruktion sollten eine unpolitische Angelegenheit sein."
Trump-Panik – früher, später oder gar nicht?
In den kommenden Wochen dürfte die Wahlberichterstattung der Medien immer intensiver werden. Angesichts eines immer heisser ausgefochtenen Duells zweier alter Männer gilt es für Anleger umso mehr einen kühlen Kopf zu bewahren und auch mal wegzuschauen. Die verbleibenden Monate bis zu den Wahlen dürften aussergewöhnlich ablenkend werden. Gern erinnern wir an dieser Stelle daran, dass Anlagestrategie und Portfoliokonstruktion eine unpolitische Angelegenheit sein sollten.
Dennoch ist die Frage gerechtfertigt wie sich die Märkte vor und nach den Wahlen verhalten könnten und ob es ein Trump-Risiko gibt. Mit Blick auf den Aktienmarkt geben Statistiken zum 4-Jahres-Zyklus (Präsidentenzyklus) zumindest einen Anhaltspunkt. In der Regel steigt der Aktienmarkt im Wahljahr im Schnitt ähnlich wie in jedem anderen Jahr. Allerdings kommt es auf die Details an. Wahljahre, in denen der amtierende Präsident nicht wiedergewählt wurde, waren im Frühling und Sommer überdurchschnittlich volatil. Angesichts des derzeitigen Kopf-an-Kopf-Rennens könnte sich 2024 angesichts zunehmender Unsicherheit ob eines anstehenden Führungswechsels im Weissen Haus ähnlich schwankungsreich entwickeln.
Wenn Trump zum Favoriten wird… | …könnte der Aktienmarkt unter Druck kommen
Durchschnittliche Entwicklung des S&P 500 Index in Wahljahren
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Nach den Wahlen gibt es dann ein blaues (Biden) und ein rotes (Trump) Szenario. Im Falle eines Biden-Siegs gäbe es theoretisch keinen Anlass für grössere Marktreaktionen – der Mann ist bekannt und der aussenpolitische wie der fiskalische Kurs würden fortgeführt werden. Im Falle des roten Szenarios (Trump-Sieg) könnte der Anleihemarkt hingegen sprichwörtlich rotsehen und einen temporären Ausverkauf erleiden – dann nämlich, wenn die Republikaner auch den Kongress komplett rot anstreichen können, weitere Steuersenkungen ohne Gegenfinanzierung in Aussicht stehen und der Staatshaushalt endgültig aus dem Ruder zu laufen droht. Ist die Panik an den Märkten dann gross genug, würde dies womöglich auch einen Trump disziplinieren und zu haushaltspolitischer Räson bringen.
Die Variante Trump im Weissen Haus und erneutes Patt im Kongress würden die Finanzmärkte womöglich am besten heissen. Trump-Paniken – wenn auch vielleicht nur stundenweise – könnte es in einer zweiten Amtszeit dank seines bekannt lockeren Social-Media-Daumens dennoch geben. Anleger sollten in diesem Falle eine Lehre aus der Zeit 2016 bis 2020 ziehen. Damals brachten ein volatiler Newsflow und zeitweise Volatilität an den Märkten letztlich kaum nennenswerte makroökonomische Veränderungen. Auch künftig könnte es für so manchen Anleger schwierig sein, inmitten eines Trump-X-Sturms (aka Twitter-Sturm) sachlich und ruhig zu bleiben. Dennoch wäre dies zu empfehlen. Anleger sollten die Schotten dicht machen und warten bis der Sturm vorüber ist. Jedes Mal.