Update zum Coronavirus – Die Volatilität bleibt vorerst hoch
Notenbanken und Politik haben in der vergangenen Woche schnell und beherzt auf die Bedrohung durch den Coronavirus reagiert. Auch wenn sich das Sentiment an den Finanzmärkten infolgedessen etwas verbessert hat, bleibt die Ungewissheit über die weitere Entwicklung der Gesundheitskrise und die Schwere der (wirtschaftlichen) Folgen hoch. Die Schwankungsbreiten an den Aktienmärkten dürften daher auch in den nächsten Tagen hoch bleiben. Mit gut diversifizierten Portfolios sehen wir uns dafür gut gerüstet.
Virus zieht weiter seine Kreise
Das Coronavirus bleibt das Thema der Stunde – und auf den Titelseiten der Tagespresse. Die Anzahl der rund um den Globus infizierten Personen hat inzwischen fast die Schallmauer von 100’000 erreicht. Mehr als 80 Länder sind mittlerweile betroffen, darunter auch die Schweiz (119 Fälle*) und Liechtenstein (1 Fall). Die Anzahl der Todesfälle ist weltweit auf über 3’000 gestiegen. Während ein Ende der Gesundheitskrise vorerst nicht absehbar ist, werden deren Auswirkungen für die Weltkonjunktur immer besser sichtbar. So fiel beispielsweise der chinesische Einkaufsmanagerindex, ein verlässlicher Vorlaufindikator für die Konjunktur im Reich der Mitte, auf den tiefsten jemals gemessenen Wert und bestätigt damit unsere Erwartung eines sehr schwachen Wachstums im ersten Quartal. Auch ausserhalb Chinas trübt sich der konjunkturelle Ausblick weiter ein. Nicht nur in der Industrie (unterbrochene Lieferketten), sondern auch im Dienstleistungssektor (abgesagte Events und Reisen) dürfte die Krise in diesem Jahr Wirtschaftsleistung kosten. Die Wachstumserwartungen für das laufende Jahr wurden angesichts dessen in den letzten Tagen weiter nach unten korrigiert. Die OECD senkte ihren Wachstumsausblick für die Weltwirtschaft in 2020 von 2.9% auf 2.4% und erwartet im Negativszenario gar eine Halbierung der globalen Wirtschaftsleistung.
Schwankungen bleiben vorerst hoch
Jüngste Tiefststände könnten nochmals getestet werden
MSCI Weltindex
Beherzte Reaktion von Notenbanken…
Die US-Notenbank reagierte angesichts der hohen Unsicherheit bei Finanzmarktteilnehmern und Wirtschaftsakteuren am Dienstag mit einer – am Ende letztlich doch überraschenden – Zinssenkung von 50 Basispunkten. Zu einem solch drastischen Mittel griff sie bisher nur äusserst selten, zuletzt während der Finanzkrise 2008. Zwar sind tiefere Zinsen kein Heilmittel gegen den Virus. Auf die Finanzierungskonditionen für Unternehmen und die Stimmung der Investoren hat die Geldspritze der Fed aber nichtsdestotrotz einen positiven Einfluss. Die jüngste Aktion zeigt einmal mehr wie hoch die Sensibilität der US-Notenbanker für die Entwicklungen am Aktienmarkt ist – und wie stark sie auf die «Vorgaben» der Terminmärkte reagieren. Letztere hatten eine grosse Zinssenkung in den letzten Wochen zunehmend eingepreist beziehungsweise eingefordert. Stand heute preist der Terminmarkt auch für die nächste Sitzung der Notenbank am 18. März einen weiteren grossen Zinsschritt ein. Sollte sich die Situation um den Coronavirus bis dahin nicht merklich ändern, dürfte die Fed zumindest eine weitere Zinssenkung von 25 Basispunkten vornehmen. Auch wenn der positive Einfluss der erneuten Zinssenkungen auf das Sentiment nicht zu unterschätzen ist – und sich mittelfristig in Form von stabilisierten Aktienpreisen auszahlen sollte – sehen wir die neuerliche Rettung der Märkte durch die Geldpolitik durchaus kritisch: In der nächsten Wirtschaftskrise könnten der Fed die notwendigen geldpolitischen Waffen fehlen. An der Zinsschraube wird sie dann jedenfalls kaum noch drehen können…
…und Politik
Unterstützung im Kampf gegen das Coronavirus gab es diese Woche auch von politischer Seite: Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) stellten den Entwicklungs- und Schwellenländern Kredite und Hilfsgelder in Höhe von insgesamt 62 Milliarden US-Dollar zur Krisenbewältigung in Aussicht. In den USA bewilligte das Repräsentantenhaus finanzielle Mittel in Höhe von 8.3 Milliarden US-Dollar, unter anderem für die Entwicklung von Impfstoffen und präventive Massnahmen. Und auch in der europäischen Politik werden vielerorts fiskalpolitische Massnahmen erwogen und diverse Hebel in Gang gesetzt um der vom Coronavirus ausgehenden Krise zu begegnen.
Eine nachhaltige Beruhigung der Situation an den Finanzmärkten erwarten wir erst dann, wenn die Anzahl der Neuinfektionen spürbar zurückgeht.
Diversifikation bleibt das A und O
An den Finanzmärkten blieb die Volatilität in den vergangenen Tagen sehr hoch. Der US-Aktienmarkt beispielsweise verzeichnete tägliche Schwankungen von 3-5%. Und auch der Volatilitätsindex (VIX) blieb mit Werten von bis zuletzt über 30 Punkten deutlich erhöht. Von den bisherigen Korrekturtiefs konnten sich die Aktienmärkte aber etwas lösen. Gegenüber den Ende Februar markierten Kurstiefs hat der S&P500-Index bis Donnerstagabend knapp 6% wettgemacht, der Swiss Market Index konnte seither 4% zulegen. Mit 12% beziehungsweise 10% bleibt der Abstand zu den Jahreshochs aber beträchtlich. Betrachtet man die Kursentwicklung der verschiedenen Branchen seit dem 21. Februar, so fällt – angesichts der kurzen Zeitspanne – eine hohe Bandbreite auf. In den USA ist die Energiebranche, welche unter dem starken Abverkauf beim Rohölpreis litt, grösster Verlierer (-17%**). Relativ stark zeigten sich hingegen Verbrauchsgüter- und Versorgeraktien (jeweils rund -4%). Diese dividendenstarken Sektoren werden mit den neuerlichen Zinssenkungen der US-Notenbank nochmals attraktiver. Ähnlich präsentiert sich das Bild in Europa.
Deutlich zulegen konnte diese Woche erneut der Goldpreis, welcher von der Zinssenkung der US-Notenbank besonders profitierte. Seit Jahresbeginn notiert das gelbe Edelmetall mittlerweile 9% im Plus. Von der Aussicht auf noch billigeres Geld profitierten zudem auch Immobilienfonds (+5% seit Jahresanfang). Beide Anlageklassen haben wir in unseren Portfolios im Vergleich zur strategischen Allokation übergewichtet. Vergleichsweise solide zeigten sich in der Korrektur bisher auch Schweizer Aktien, welche wir ebenfalls überdurchschnittlich gewichtet haben.
Gold als Krisengewinner
Auch Schweizer Aktien halten sich relativ gut
Entwicklung der Anlageklassen seit Jahresbeginn
Eine nachhaltige Beruhigung der Situation an den Finanzmärkten erwarten wir erst dann, wenn die Anzahl der Neuinfektionen auch ausserhalb Chinas spürbar zurückgeht. Zumindest aus Sicht der Marktteilnehmer dürfte dann der Höhepunkt der Krise erreicht sein und der Blick wieder nach vorne gerichtet werden. Bis dahin erwarten wir anhaltend hohe Schwankungen, für die wir uns mit Blick auf die Aufstellung unserer Portfolios gut gerüstet sehen. Betrachtet man vergleichbare Aktienmarktkorrekturen der Vergangenheit, dann ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Tests der Ende Februar erreichten Kurstiefs nicht unwahrscheinlich. Ein solches Szenario ist auch diesmal nicht auszuschliessen, könnte aus anlagetaktischer Sicht aber weitere Opportunitäten eröffnen. So bieten sich beispielsweise bei strukturierten Produkte im Umfeld erhöhter Volatilität wieder deutlich attraktivere Konditionen.
*Anzahl der Infektionen Stand 6.3., 11h00
**Marktdaten per Ende 5.3.