Sicherer Hafen inmitten eines kriselnden Europas

Die «Corona»-Krise ist sowohl für die Menschheit als auch für Politik und Notenbanken eine grosse Herausforderung. Dies gilt im Besonderen für die Eurozone, wo COVID-19 einmal mehr die Fragilität des Euros und die wirtschaftlichen Ungleichgewichte innerhalb der Währungsunion offenbart. Exemplarisch dafür steht die Diskussion um «Corona»-Anleihen und die Vergemeinschaftung der europäischen Staatsschulden. Schon heute ist absehbar, dass die reicheren Länder des Nordens wie beispielsweise Deutschland in Zukunft in irgendeiner Form zur Kasse gebeten werden. Eine stärkere politische und gesellschaftliche Polarisierung könnte eine weitere negative Folge der Pandemie sein. Der Kontrast zum unabhängigen und prosperierende Liechtenstein ist in der aktuellen Krise grösser denn je. Das kleine Land im Herzen Europas verbindet das Beste zweier Welten und beweist sich erneut als sicherer Hafen in Zeiten erhöhter Unsicherheit.

 

«Corona» dürfte noch lange beschäftigen…

Die «Corona»-Krise ist sowohl für die Menschheit als auch für Politik und Notenbanken eine grosse Herausforderung. In den kommenden Tagen und Wochen starten die Länder Europas einen ersten Versuch langsam den Weg zurück in die Normalität zu finden. Eine Übung, die nicht ohne Nebengeräusche verlaufen, sondern eher durch zwischenzeitliche Rückschläge geprägt sein dürfte. Denn solange es keinen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt, ist ein «weiter wie zuvor» aus medizinischer Sicht unrealistisch.

Ein Zurück zur «Vor-Corona-Zeit» wird es auch für die Staaten der Eurozone nicht geben – weder aus wirtschaftlicher, noch aus politischer Sicht. Ganz im Gegenteil: Die bevorstehende Rezession und die fiskalischen Massnahmen der Regierungen zur Abmilderung der Pandemiefolgen dürften die Staatschulden der Euroländer in den nächsten Jahren stark ansteigen lassen. Dabei werden sich die wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen dem ärmeren Süden Europas auf der einen Seite und dem reicheren Norden auf der anderen Seite noch weiter akzentuieren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet beispielsweise für Italien mit einem Anstieg der Staatsverschuldung von derzeit 135% auf 160% des Bruttoinlandsprodukts bis Ende 2021. Auch für Deutschland – dem wirtschaftlichen Schwergewicht der Eurozone – werden deutlich steigende Staatsschulden prognostiziert. Nach Jahre konservativer Haushaltsführung kann es sich höhere Ausgaben allerdings auch eine Zeit lang leisten.

 

Teure Konjunkturpakete
Die Staatsschulden der Euroländer dürften stark ansteigen

Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt

Quelle: IWF, Kaiser Partner Privatbank

 

…und offenbart die Schwächen der Eurozone

Die Gesundheitskrise führt jedoch nicht nur zu rasant steigenden Schulden und wirtschaftlichen Katererscheinungen. Sie droht auch, die Einheit der Europäischen Union (EU) ernsthaft zu zerbrechen. Auf dem virtuellen Gipfel am 23. April billigten die Staats- und Regierungschefs ein Rettungspaket von bis zu 540 Milliarden Euro in Form von Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) und des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Auf dem Papier einigten sich die Gipfelteilnehmer auch auf die Einrichtung eines neuen gemeinsamen europäischen Konjunkturfonds, der gezielte wirtschaftliche Hilfe für die von der Krise am stärksten betroffenen Regionen und Sektoren leisten soll. Aber es ist die eine Sache, sich darauf zu einigen, dass mehr Geld benötigt wird. Eine gänzlich andere Sache ist es aber, sich darauf zu einigen, wie viel benötigt wird und vor allem woher es kommen soll. Und genau bei diesem schwierigeren Part ist es mit der Einigkeit nicht weit her. Die Südländer wollen, dass die Wirtschaftshilfe in Form von Zuschüssen und nicht in Form von Darlehen an die Mitgliedstaaten gewährt wird. Vor allem die italienische Regierung hat sich dafür eingesetzt, dass die EU für die Schulden haftet, zum Beispiel durch die Ausgabe von sogenannten «Corona-Anleihen».

Deutschland steht im Schaufenster…

Für die Länder Nordeuropas kommt eine solche Art der Risikoteilung nicht in Frage. Dies nicht zuletzt aufgrund von Befürchtungen, dass eine solche Regelung erneut zu einer schleppenden Haushaltsdisziplin unter den südeuropäischen Ländern führen würde. Und so gab es in den letzten Wochen vielfach unbequeme Auseinandersetzungen auf höchster politischer Ebene zwischen den Mitgliedsstaaten. Und wieder einmal aufflackernde Spekulationen über die Lebensfähigkeit der EU. Mehr denn je steht in dieser Krise insbesondere Deutschland im Zentrum von Diskussion und Aufmerksamkeit. Mitte der 2000er Jahre noch als «kranker Mann Europas» beschrieben, hat es einen mehr als 10-jährigen Aufschwung hinter sich, der den wirtschaftlichen Abstand zum Süden Europas massiv vergrössert hat. Zu verdanken war dies nicht zuletzt dem schwachen Euro, der das exportgetriebene deutsche Wachstumsmodell befeuerte.

 

Zunehmende Diskrepanz
Deutschland hängt den Süden ab

Wirtschaftsleistung pro Kopf, indexiert

Quelle: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

…und dürfte zur Kasse gebeten werden

Ohne Währungs- und Wirtschaftsunion stünde Deutschland heute deutlich schlechter da – dessen ist sich die auch deutsche Politik bewusst. Um die europäische Idee aufrecht zu erhalten, ein Zusammenbrechen des Euros zu vermeiden und um letztlich den eigenen Wohlstand zu wahren, dürfte das finanzstarke Nordland zukünftig vermehrt in den Geldbeutel greifen und gewisse Transferleistungen an den Süden leisten. Wenn auch nicht in unbedingt in auf den ersten Blick ersichtlicher Form.

Das riesige «Corona»-Konjunkturpaket der deutschen Bundesregierung und mehr Geld für die Europäische Union – all dies dürfte viel Geld kosten. Auch wenn es angesichts der wirtschaftlichen Notlage wenig Raum dafür gibt – eher früher als später wird die Diskussion darüber aufkommen, wer denn für all die Ausgaben zu zahlen hat. Dass die Deutschen bald wieder zur gewohnten Haushaltsdisziplin zurückkehren wollen, lässt sich jedenfalls schon heute erwarten. Sicher ist, dass die Kosten von heute die Schuldenlast für spätere Generationen vergrössern werden. Doch schon in der kürzeren Frist dürfte der Druck zunehmen, den vermögenderen Teil der Bevölkerung stärker zu belasten.

 

In der aktuellen Krise könnte der Kontrast zwischen Liechtenstein und der kriselnden Währungsgemeinschaft kaum grösser sein.

 

Angreifbarer Wohlstand

Aus unserer Sicht sind verschiedene – mehr oder weniger realistische – Spielarten denkbar, wie die «Corona-Schulden» refinanziert werden könnten:

Höhere Steuern und Enteignungen: Leicht durchsetzbar, und zumindest für ein gewisses politisches Spektrum leicht kommunizierbar, wäre eine höhere Steuerbelastung für einen Teil der Bevölkerung. Von Seiten der Linken und der Sozialdemokraten wurden solche Forderungen zuletzt bereits erhoben. Jüngst hat sich auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit zwei Vorschlägen zu Wort gemeldet, wie der durch die Pandemie entstandene Schaden behoben werden kann. Einerseits ein Corona-Solidaritätszuschlag, bei dem das oberste Zehntel der Steuerpflichtigen neben der regulären Einkommenssteuer weitere 7.5% pro Jahr zahlt. Andererseits eine einmalige Vermögensabgabe, bei der man ab einer gewissen Grösse einen Prozentsatz des Vermögens, einmalig oder in Raten, abtreten muss. Aus heutiger Sicht erscheint vor allem die zweite Variante noch ein «linkes» Gedankenspiel zu sein. Ganz von der Hand zu weisen ist diese Möglichkeit aber nicht. Denn die «Corona-Krise» dürfte den Kontrast zwischen den gesellschaftlichen Schichten selbst innerhalb der reichen Länder Nordeuropas verstärken. Und so ist es nicht auszuschliessen, dass es in den kommenden Jahren einen politischen Schwenk nach links geben wird.

Höhere Inflation: Die für dieses Jahr erwartete Rezession dürfte mit weit grösseren Wachstumseinbussen einhergehen, als während der Finanzkrise 2008/2009. Sie hat kurzfristig einen klar deflationären Effekt. Die längerfristigen Perspektiven für die Teuerung sind indes nicht unbedingt eindeutig. Die Massnahmen der Fiskal- und Geldpolitik sind in Art und Ausmass in dieser Form noch nie dagewesen. Die Notenbanken rund um den Globus liefern sich inzwischen einen Wettbewerb im Gelddrucken. In den nächsten Jahren dürfte ein grosser Teil der Staatsschulden auf den Bilanzen der Notenbanken landen. Dass all dies nicht irgendwann zu steigenden Inflationsraten führt, auch weil das Vertrauen in das Papiergeld schwindet, ist nicht auszuschliessen. Im Übrigen dürfte infolge der Gesundheitskrise auch die Globalisierung der letzten Jahrzehnte wieder ein Stück weit zurückgedreht werden. Auch dies würde eher inflationär wirken.

Schwacher Euro: Eine schwache Währung ist zwar nicht direkt eine Finanzierung von Staatsschulden. Für den global orientierten Bürger stellt sie aber dennoch eine Form des Wohlstandsverlusts dar. Die Gemeinschaftswährung Euro dürfte geschwächt aus der Gesundheitskrise hervorgehen. Dies zumindest im Vergleich zu einer fundamental soliden Währung wie dem Schweizer Franken, der in den letzten Monaten erneut seine Rolle als Hort der Sicherheit bewies. Eine tiefe Staatsverschuldung, die wirtschaftliche Agilität, ein hoher Leistungsbilanzüberschuss, Rechtssicherheit sowie eine unabhängige Geldpolitik – all diese Stärken dürften dafür sorgen, dass der Franken seinen langfristigen Aufwärtstrend gegenüber dem Euro auch in Zukunft fortsetzen wird.

 

Hort der Sicherheit
Der Schweizer Franken ist die stärkere Währung

Euro/Schweizer Franken

Quelle: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Der Kontrast: Sicherer Hafen Liechtenstein

Das gesellschaftliche und politische Klima dürfte sich infolge von «Corona» sowohl innerhalb der Eurozone als auch in Deutschland tendenziell verschlechtern. Der Druck auf «die da oben» dürfte zunehmen. Wenn Wohlstand und Unternehmertum in Gefahr geraten, ist das Umschauen nach Alternativen mehr denn je gerechtfertigt und nötig.

Eine solche Alternative stellt Liechtenstein dar. In der aktuellen Krise könnte der Kontrast zur kriselnden Währungsgemeinschaft kaum grösser sein. Das kleine Land im Herzen Europas versinnbildlicht politische Kontinuität und Stabilität. Das Fürstentum verfügt über ein AAA-Rating und ist schuldenfrei. Zudem verbindet es das Beste zweier Welten: Liechtenstein ist im Rahmen einer Zoll- und Währungsunion mit der Schweiz verbunden und hat sowohl Zugang zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) als auch zur EU. Diese einmalige Kombination ermöglicht unter anderem im Bereich der Finanzdienstleistungen attraktive Wachstumsperspektiven. Eine liberale Wirtschaftspolitik sowie eine moderate Unternehmensbesteuerung machen den Standort attraktiv. Seit jeher steht das Fürstentum Liechtenstein für Innovation, Freiheitlichkeit und Unternehmertum.

Aufgrund der aussergewöhnlichen geografischen und politischen Lage sind die liechtensteinischen Banken wie die Kaiser Partner Privatbank seit jeher darauf angewiesen, über Grenzen hinweg zu denken und zu operieren. 1977 in der liechtensteinischen Hauptstadt Vaduz gegründet, verfügt die Kaiser Partner Privatbank über eine solide Eigenkapitalbasis. Jahrzehntelange Erfahrung im Bereich Anlagen mit Fokus auf Kapitalerhalt zeichnet die Privatbank in Familienbesitz aus.

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Oliver Hackel, CFA Head of Private Markets & Liquid Alternatives

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