Kein „free lunch“ – Geld verdienen mit Preistrends
„The trend is your friend… …until the end when it bends” („Der Trend ist dein Freund – bis er schliesslich bricht“) – das Handeln von Preistrends ist an den Finanzmärkten eine seit Jahrzehnten etablierte und langfristig erfolgreiche Anlagestrategie. In diesem Jahr wurden Managed-Futures-Strategien, die auf langfristige Trends setzen, jedoch mehrfach von abrupten Richtungswechseln auf dem falschen Fuss erwischt und ausgestoppt. Die jüngste Episode ist dabei weniger ein Regimewechsel als vielmehr eine Einstiegsgelegenheit. Langfristig bringen Trendfolger im Portfoliokontext Mehrwert. Allein umsonst ist er nicht zu haben – er kostet vor allem Geduld und Disziplin.
Managed Futures im Bann der Tweets
Als 47. US-Präsident postet Donald Trump in den sozialen Medien mehr denn je. Zwar kann man seinen tatsächlichen Einfluss auf die Finanzmärkte leicht überschätzen. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass der politische Kurs der USA in Trumps zweiter Amtszeit dieses Jahr bereits unübersehbare Spuren an den Finanzmärkten hinterlassen hat, darunter einen temporären Einbruch am Aktienmarkt, heftig ausschwingende Anleiherenditen und einen äusserst schwachen US-Dollar. Ob Kausalität oder Koinzidenz – für trendfolgende Managed-Futures-Strategien waren die präsidiale Wankelmütigkeit und die daraus resultierenden, abrupten Richtungswechsel in vielen Anlageklassen sehr herausfordernd. Denn Trendfolger brauchen Trends, Sägezahnmärkte (runter – hoch – runter – hoch) oder schnelle Kehrtwenden im Stil V-förmiger Erholungen (wie im April/Mai am Aktienmarkt) sind für sie hingegen ein denkbar schlechtes Umfeld. In diesem Fall sogar sehr schlecht. So führten die vom „Liberation Day“ ausgelösten Kursbewegungen beim SG Trend Index, welcher die Performance der 10 grössten trendfolgenden Managed Futures abbildet, zu einem der grössten absoluten Kursverluste (Drawdown) in seiner gut 25-jährigen Historie von im Tief -20.8%.
Hochs und Tiefs | Die Renditen von Trendfolgestrategien sind zyklisch
Rollierende 1-Jahres-Performance SG Trend Index
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Krise oder Korrektur?
Für investierte Anleger war diese Entwicklung zugleich schmerzhaft (aufgrund der Kursverluste) und enttäuschend (aufgrund des erhofften, aber ausbleibenden Versicherungsschutzes gegen schwache Aktienmärkte) – ungewöhnlich war sie aber nicht. Denn wie die meisten anderen Anlageklassen oder -stile ist auch die Performance von Managed Futures zyklisch – auf Regen folgt Sonnenschein und umgekehrt (siehe Grafik oben). Und auch die fehlende Fallschirm-Funktion ist kein Sonderfall, sondern folgt einem Muster, das zuletzt während der Corona-Pandemie zu beobachten war: Klassische Trendfolger funktionieren nur als Schutz gegen länger andauernde Krisen wie beispielsweise im Bärenmarkt 2022, in der Finanzkrise 2008 oder nach dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000. Bei kürzeren Korrekturen von weniger als einem halben Jahr sind sie jedoch zu träge, um sich auf neue (Abwärts-)Trends einzustellen und von diesen zu profitieren (siehe Grafik unten). Nicht die Entstehung, sondern die Reifung eines Trends ist für trendfolgende Managed Futures die eigentliche Renditequelle.
Wenn der Schaden länger andauert… | …sind trendfolgende Strategien eine gute Versicherung
Performance von Trendfolgestrategien während (US-)Aktienmarktkorrekturen von mehr als -5%, seit 1.1.2000*
*Grösse der Kreise widerspiegelt die Höhe der positiven (blau) oder negativen (grau) Performance von Trendfolgestrategien
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Ein bewährter Diversifikator
Alles schon einmal dagewesen also. Die Sorgenfalten der Anleger sollten daher nicht unnötig tief werden. Tatsächlich gehören Managed-Futures-Strategien zu den von der Börsengeschichte am besten geprüften und von Analysten am intensivsten untersuchten alternativen Anlagestilen. Während die Anfänge von Managed Futures auf den Handel mit Warentermingeschäften zurückgehen – was durch den heute noch gebräuchlichen Namen „Commodity Trading Advisor“ (CTA) deutlich wird –, begann die Adaption des modernen Multi-Asset-Ansatzes durch institutionelle Anleger bereits in den 1970er Jahren. Seitdem profitieren Managed Futures – systematisch – sowohl von steigenden als auch von fallenden Preisen, und dies über ein breites Anlageuniversum von Aktien und Anleihen bis hin zu Währungen und Rohstoffen. Ihren Mehrwert für ein Anlegerportfolio haben die „CTAs“ in den letzten Jahrzehnten immer wieder bewiesen. Er beruht vor allem auf einer tiefen und teils negativen Korrelation zu traditionellen Anlageklassen (siehe Grafik unten). Gerade in den letzten Jahren, in denen der Gleichlauf zwischen Aktien und Anleihen wieder zugenommen hat (positive Korrelation) ist diese Eigenschaft besonders wertvoll.
Ein echter Diversifikator | Trendfolger bringen Mehrwert fürs Anlageportfolio
Korrelationsmatrix, Daten ab 1.1.2000
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Ein guter Zeitpunkt für den Einstieg?
Sie hat allerdings auch ihre Tücken – denn die unkorrelierten Renditen von Managed-Futures sind zugleich für die menschliche Psyche häufig auch wenig intuitiv. So können Trendfolgestrategien in Phasen starker (Aktien-)Bullenmärkte und bei abrupt unterbrochenen Trends gegenüber traditionellen Anlagen ins Hintertreffen geraten und underperformen. Ebenso psychologisch herausfordernd sind die nicht selten zu beobachtenden Zeiträume von flacher oder negativer Performance. Sie testen die Überzeugung eines Anlegers und lassen die Frage nach möglichen Opportunitätskosten aufkommen. Doch auch wenn solche Episoden zeitweise Schweiss und Nerven kosten – auf der anderen Seite der Medaille lockt eine „Geduldsprämie“ in Form überdurchschnittlicher Renditen nach Schwächephasen oder grösseren Drawdowns. In diesem Sinne spricht vieles dafür, dass sich die Geduld mit Trendfolgestrategien erneut auszahlen wird. Auf die neun bisher grössten Kursverluste des SG Trend Index folgten im nächsten Jahr mit nur einer Ausnahme zweistellige Kursgewinne (siehe Grafik unten).
Auf Regen… | …folgt meist Sonnenschein
10 grösste Drawdowns (und anschliessende 1-Jahres-Performance) SG Trend Index
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Doch nicht nur aufgrund der Statistik sind Managed Futures aktuell mehr als nur eine Überlegung wert. Wieder attraktiver sind Trendfolgestrategien in den 2020er Jahren auch geworden, weil die Ära der global koordinierten Notenbankpolitik (Stichwort Negativzinsen und Quantitative Easing), welche für gedrückte Risikoprämien und verzerrte Preise sorgte und die Gewinnmöglichkeiten für Managed Futures einschränkte, vorbei ist. Cash verdient (bis auf die Ausnahme Schweiz) seither wieder Zinsen. Auch dies kommt direkt der Anlegerperformance zugute. Denn da Trendfolgestrategien typischerweise liquide Futures- oder Forward-Kontrakte handeln, die nur eine geringe Sicherheitsleistung erfordern, kann ein Grossteil des Fondsvermögens in verzinslichen Wertpapieren investiert werden.
Tipps & Tricks
Wer trotz dieser guten Perspektiven den diesjährigen „Schadenfall“ bei Managed Futures bemängelt bzw. deren ausgebliebener Versicherungszahlung hinterhertrauert, für den folgen an dieser Stelle noch ein Tipp und ein Trick. Der Tipp: Neben Managed Futures gibt es auch andere „Versicherungsstrategien“, die einen Schutz gegen fallende Kurse an den Aktienmärkten bieten. Zunehmend beliebt sind bei Anlegern beispielsweise optionsbasierte (Put-)Strategien oder sogenannte Tail-Hedge-Strategien. Beide Varianten liefern recht zuverlässig den gewünschten Schutz, wenn die Aktienkurse – so wie im April – innerhalb kurzer Zeit stark fallen. Allerdings zahlt man für diesen Sofortschutz einen hohen Preis in Form negativer Renditen bei ruhigeren Marktphasen sowie über längere Zyklen hinweg. Trendfolgestrategien bieten hingegen zwar nur in längeren Bärenmärkten Schutz und erfordern Geduld und Disziplin, dafür erwirtschaften sie langfristig aber eine absolute (positive) Rendite (siehe Grafik unten). Der Trick: Diversifikation – einmal mehr nichts neues also. Gemeint ist aber die Diversifikation innerhalb des Managed-Futures-Universums. Neben den Strategien, die langfristige Preistrends in traditionellen Anlageklassen verfolgen – und um die es in diesem Artikel hauptsächlich geht – gibt es auch jene, die auf kurzfristige Preistrends setzen. In den letzten Jahren hinzugekommen sind Trendfolgestrategien auf alternative bis hin zu exotischen Anlageklassen oder auf ökonomische Trends. Offensichtlich scheint es ein Naturgesetz, dass die Finanzindustrie nie aufhört zu innovieren. Ein ebensolches Naturgesetz sind Trends – sie sind in der (unveränderbaren) Massenpsychologie der Marktteilnehmer begründet.
Versicherung mit tiefen Opportunitätskosten | CTAs können auch in Erholungsphasen profitieren
Performance von Trendfolge- und Put-Strategien während (US-)Aktienmarktkorrekturen
Quellen: Bloomberg, AQR, Kaiser Partner Privatbank