Jahresausblick 2022: Aktien
Kleinere Brötchen oder bis zum Mond?
Aktienanleger wurden in den letzten Jahren mit (sehr) hohen Renditen verwöhnt. Ist es nun Zeit kleinere Brötchen zu backen? Unser Aktienausblick 2022 gibt Auskunft.
Punktprognosen für die grossen Aktienindizes werden wir auch dieses Jahr nicht machen. Um eine Börsen-Tendenz sind wir aber dennoch nicht verlegen – verwundern dürfte unsere Einschätzung ohnehin die wenigsten. Nachdem die globalen Aktienmärkte inklusive 2021 (vorbehaltlich eines Crashs in den letzten Handelstagen) dreimal in Folge zweistellige Renditen (oberhalb von 15%) abgeworfen haben, spricht mit Blick aufs Aktienjahr 2022 so Einiges für kleinere Brötchen, sprich Zugewinne im einstelligen Prozentbereich. Um negative Aktienerträge zu prognostizieren, mangelt es aus unserer Sicht hingegen nicht nur an der Erfolgswahrscheinlichkeit (schliesslich waren seit 1980 nur 24% der Jahre im S&P500 negativ), sondern auch am Narrativ (für eine grössere Korrektur). Neben dem «langweiligen» Basisszenario gibt es diesmal aber auch ein Randszenario zwei Randszenarien. Einerseits das in jedem Aktienausblick vorhandene Risiko einer mehr oder weniger scharfen Abwärtskorrektur. Andererseits – und dies ist neu – sehen wir aber auch gewisse Chancen für das Gegenteil: eine Aufwärtsbeschleunigung (aka «Melt-Up»). Bei diesem würden die Kurse wie zuletzt Ende der 1990er Jahre unter zunehmender Volatilität weiter massiv zulegen. Mit Blick auf die hohen Inflationsraten könnte «TINA» («there is no alternative») nochmals eine ganz neue Bedeutung erlangen. Und die Angst etwas zu verpassen, würde auch noch die letzten abseits stehenden (Privat-)Anleger auf den Zug aufspringen lassen. Der Kater nach einer solchen FOMO-Party («fear of missing out») wäre dann allerdings vorprogrammiert. Denn bis zum Mond sind die Kurse noch nie gestiegen…
(Nur) Schwellenländer bleiben zurück
Ein weiteres Jahr mit überaus solider Bilanz
Regionale Aktienmarktperformance per 30.11
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Für unsere Basiserwartung eines soliden, aber unspektakulären Aktienjahres sind die Rahmenbedingungen indes gut. Konjunkturtechnisch wurde der Höhepunkt der Dynamik – gemessen an den Einkaufsmanagerindizes – bereits vor mehr als einem halben Jahr überschritten. Eine kleine Wachstumsdelle liegt entsprechend bereits weitgehend hinter uns und so sollte sich der Fokus demnächst wieder auf positivere Daten(überraschungen) und die Perspektive eines weiteren Jahres mit überdurchschnittlichem globalem Wirtschaftswachstum richten. Basierend auf diesem dürften die Unternehmensgewinne erneut zulegen. In diesem Sinne wäre eine fortgesetzte Hausse auch fundamental untermauert und nicht allein von einer nochmaligen Ausweitung der ohnehin schon hohen Marktbewertungen abhängig. Apropos Bewertungen: Die relative Bewertung gegenüber festverzinslichen Anlagen bleibt auch 2022 ein Argument für Aktien (und für einen hohen Aktienanteil im Portfolio) wie beispielsweise der einfache Vergleich der Dividenden- oder Gewinnrendite von Aktien mit den Anleiherenditen zeigt. An diesem Wert-Vorteil von Aktien dürfte sich auf absehbare Zeit auch wenig ändern. Denn zwar erwartet uns nächstes Jahr eine Normalisierung der Geldpolitik. Bis diese in den restriktiven Bereich vordringt und die relative Attraktivität von Aktien negativ beeinflusst, dürfte es aber viel länger als nur einige Quartale dauern. In diesem Sinne denken wir auch, dass der jüngst gegebene Startschuss der Fed für das Tapering und der irgendwann bevorstehende Zinserhöhungszyklus der US-Notenbank kein unmittelbarer «Show-Stopper» für die Aktienhausse sein wird. Wenn die Historie ein Wegweiser für die zukünftige Marktentwicklung ist, dann ist mit dem finalen Hoch des Bullenmarktes nämlich erst nach der letzten (!) Zinserhöhung des kommenden Zyklus zu rechnen.
Wie sollte man sich also nun für das neue Jahr positionieren? Aus unserer Sicht sind grosse Wetten auf Branchen oder Stile nicht angebracht. Denn wie in diesem Jahr dürfte es nicht zuletzt aufgrund des derzeit äusserst dynamischen makroökonomischen und (geo-)politischen Umfelds immer wieder einmal zu Rotationen und Favoritenwechseln kommen. Zu viel Taktiererei ist in einer solchen Atmosphäre nicht angebracht (und für langfristig orientierte Anleger auch generell oft wenig ertragreich). In ein ausgewogenes Portfolio gehören für uns sowohl zins- und konjunktursensitive Zykliker mit Value-Charakter als auch qualitativ hochwertige Wachstumstitel. Ein solcher Mix dürfte sich selbst im Falle weiterhin erhöhter Inflationsraten gut schlagen. In Bezug auf die Regionen bleiben wir derweil weitgehend neutral. Ein Abgesang auf die Outperformance des US-Marktes ist auch diesmal nicht angebracht – dieser wäre in den letzten Jahren stets zu früh gewesen. Einen regionalen Akzent setzen wir aber: Für britische Aktien sind wir weiterhin sehr positiv gestimmt. Nach jahrelanger Underperformance hat sich der Markt relativ zu anderen Regionen zuletzt stabilisiert. Der Bewertungsabschlag ist allerdings eklatant, so dass wir viel Luft nach oben sehen. In einem Umfeld tendenziell steigender Langfristrenditen erhält der britische Markt aufgrund seiner vergleichsweise höheren Dividendenrenditen zudem einen weiteren Pluspunkt.
Mehr zu diesem Thema finden Sie unter den folgenden Links:
Zum Jahresausblick 2022 Fixed Income
Zum Jahresausblick 2022 Alternative Anlagen
Zum Jahresausblick 2022 Währungen