Jahresausblick 2022: Alternative Anlagen

(Un)verzichtbare Bausteine

Der Anlagenotstand im festverzinslichen Bereich und die immer tieferen Renditeerwartungen bei Aktien lassen alternative Anlagen stetig an Bedeutung gewinnen. Doch nicht alle Alternativen sind gleich attraktiv.

 

Alternative Anlagen, die eine beständige absolute Rendite versprechen, erfreuten sich 2021 weiter steigender Nachfrage. Insbesondere das Thema Private Equity rückte dabei weiter in den Blick der Anleger. Nachdem Investitionsmöglichkeiten in nicht börsennotierte Unternehmen lange Zeit allein den grossen institutionellen Investoren vorbehalten waren (und Investitionssummen von mehreren Millionen US-Dollar erforderten), beobachten wir in den letzten Jahren einen beschleunigten Trend die «Private Markets» auch kleineren Institutionellen und Privatanlegern zugänglich zu machen und die Anlagekategorie zu «demokratisieren». Woher das Interesse (oder die Verlockung) dabei rührt ist klar: Bei festverzinslichen Anlagen ist die Realrendite (mit wenigen Ausnahmen) negativ. Und auch bei Aktien sind die langfristig zu erwartenden Erträge nach Abzug der Inflation äusserst bescheiden.

Zwar wird ein finaler Performancevergleich mit anderen Anlageklassen für 2021 aufgrund der tiefen Bewertungsfrequenz von Privatmarktanlagen erst Mitte des nächsten Quartals möglich sein. Dennoch kann man schon jetzt konstatieren, dass Private Equity seinem Renditeversprechen dieses Jahr (einmal mehr) gerecht wurde. Tatsächlich erlebte die Branche einen nie dagewesenen Boom, inklusive Rekorden, bei der Anzahl und dem Volumen der Transaktionen und einer Performance, die selbst die sehr starken Aktienmärkte noch leicht übertrumpft haben dürfte. Anzeichen einer gewissen Überhitzung sind unübersehbar. Kritisch zu betrachten ist etwa, dass die bekannten (und weniger bekannten) Private-Equity-Häuser nicht nur immer grössere Fonds planen, sondern diese auch in immer kürzeren Abständen lancieren. Somit ist immer mehr «trockenes Pulver» vorhanden, welches investiert werden will – und das zu immer höheren Bewertungen. Dennoch: Der Ausblick bleibt positiv, insbesondere relativ zu den öffentlichen Märkten. Neben dem Bewertungs-Hebel haben Private-Equity-Manager nämlich noch verschiedene andere Stellschrauben, um den Wert ihrer Portfoliounternehmen zu steigern. Zudem wies Private Equity in der Vergangenheit stets einen besseren Inflationsschutz auf als der Aktienmarkt. Gut diversifizierte Private-Equity-Investments dürften auch in den nächsten Jahren zweistellige Renditen erwirtschaften. Die Manager selbst rechnen jedenfalls weiterhin mit einer entsprechenden Profitabilität ihrer Investments. Schliesslich zahlt sich das Geschäft für sie nur dann richtig aus, wenn die Rendite über gewissen Zielgrössen liegt. Eine zu beachtende Eigenheit der Anlageklasse ist jedoch die Tatsache, dass die Performance-Unterschiede zwischen guten und schlechten Fonds in der Regel sehr hoch sind. Die Auswahl der Manager (und der Zugang zu diesen) ist daher matchentscheidend. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, sind Know-How und Ressourcen gefragt. Wer sich für die Privatmärkte interessiert, sollte daher mit Experten zusammenarbeiten.

Ähnlich vielfältig und komplex wie die Private Markets ist das Universum der Hedgefonds. Dies widerspiegelt sich auch in der diesjährigen Performance. Trendfolger (CTAs) und Long/Short-Fonds konnten von den grossen Bewegungen bei Rohstoffen beziehungsweise den Rotationen (und der Streuung zwischen einzelnen Titeln) am Aktienmarkt profitieren. Makrofonds hatten mit dem herausfordernden makroökonomischen Umfeld im zweiten Jahr der Pandemie hingegen so ihre Mühe. Die richtige Selektion der richtigen Hedgefondsstrategien und -manager dürfte für den Anlageerfolg auch nächstes Jahr wichtig sein. Wem dies gelingt, der kann von der tiefen Korrelation zu anderen Anlageklassen profitieren und die Rendite-Risiko-Eigenschaften seines Portfolios verbessern.

 

Gemischtwarenladen
Selektivität und Selektion waren (und bleiben) Trumpf

Performance alternativer Anlagen (per 30. November 2021)

Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank

 

Gold eignete sich in der Vergangenheit ebenfalls dazu das Risikoprofil eines Portfolios zu verbessern. Für 2021 ist die Bilanz dieses alternativen «Klassikers» jedoch durchwachsen. So verbrachte der Goldpreis drei Viertel des Jahres mit einer volatilen Achterbahnfahrt und enttäuschte damit über weite Strecken diejenigen Anleger, welche sich vom gelben Metall einen Schutz gegen die Inflation versprechen. Erst das extreme Überschiessen der Inflationsraten und neue Tiefstände bei den Realzinsen gaben dem Edelmetall seit Anfang Oktober deutlichen Auftrieb, so dass schliesslich auch der seit über einem Jahr bestehende Abwärtstrend nach oben verlassen werden konnte. Aus technischer Sicht haben sich die (kürzerfristigen) Perspektiven für Gold somit aufgehellt. Längerfristig stellt sich aber die Frage, ob das Metall aus Sicht von Gross- und Kleinanlegern als Diversifikationselement und Teuerungsschutz nicht weiter zu Gunsten von Kryptowährungen an Akzeptanz verliert – ein Trend, der im zu Ende gehenden Jahr offensichtlich an Dynamik gewonnen hat. Für uns bleibt Gold indes vorerst ein fester Bestandteil der strategischen Asset Allocation – auch wenn wir mit Blick auf das neue Jahr nicht übermässig enthusiastisch sind und eine neutrale taktische Position halten.

Immobilieninvestitionen lieferten dieses Jahr im Gegensatz zu Gold positive Renditen ab. Die Spannbreite reichte dabei von solide (Schweizer Immobilienfonds: +5%) bis zu sehr sportlich (US-REITs: +30%). Allgemeingültige Aussagen über die Aussichten für 2022 sind aufgrund der Heterogenität und der vielfältigen Investitionsvehikel (Region/Branche/Kategorie, öffentlich/privat) schwierig. Insgesamt sollte «Betongold» aber auch nächstes Jahr erneut positive Wertbeiträge liefern. Zwar erscheint wie bei vielen anderen Anlagen auch bei Immobilien vieles sehr heissgelaufen. In vielen Fällen sind hohe Preise aber nicht allein durch billiges Geld, sondern auch durch eine entsprechend angespannte Angebots-Nachfrage-Situation begründet, welche sich infolge der Pandemie und dem Trend zum Home Office eher noch verschärft hat. Ein Auslöser für ein Platzen vermeintlich bestehender Blasen fehlt hingegen vorerst. Dies gilt zumindest für die Immobilienmärkte in den USA und weiten Teilen Europas, wo das Zinsniveau auch in den kommenden Quartalen tief und der Anlagenotstand hoch bleiben wird. Ebenso wie Gold gehören Immobilien für uns daher weiterhin ins Portfolio.

Abschliessend noch einige Worte zu Rohstoffen, welche von vielen Anlegern weiterhin als eigenständige alternative Anlagekategorie betrachtet werden. Als wir Rohöl, Industriemetalle Agrarrohstoffe & Co. Anfang des Jahres im Rahmen der Überarbeitung unserer strategischen Asset Allocation aus dem Anlageuniversum entfernten, leitete uns dabei nicht allein der Blick durch die Nachhaltigkeits-Brille. Wichtig war insbesondere die Tatsache, dass passive Rohstoffinvestments in der Vergangenheit aufgrund erratischer Preisbewegungen und negativer Rollrenditen oft Performance gekostet haben. Massive Angebots- und Lieferengpässe bei gleichzeitig hoher Nachfrage resultierten dieses Jahr nun in hoher zweistelliger Rohstoff-Performance. Vom zyklischen Rückenwind für Rohstoffe, der mit Blick auf das Makroumfeld auch Anfang 2022 weiterwehen dürfte, können Anleger aber auch profitieren, ohne dafür einen eigens reservierten Platz im Depot zu haben. Viel besser ist aus unserer Sicht die indirekte Anlage über systematische Hedgefondsstrategien, die nur dann in Rohstoffe investieren, wenn es starke und somit profitable Trends gibt.

 

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