[«So wie der Januar verläuft, so wird auch das Jahr.»]
Weihnachtszeit ist auch Prognosezeit. Kurz vor dem Beginn des neuen Börsenjahres sind die Vorhersagen von Finanzmarktanalysten wieder einmal sehr gefragt. Eine Börsenweisheit bescheinigt dem Monat Januar eine besondere Prognosekraft. Doch was ist am «Januar-Barometer» dran?
In einigen Börsenweisheiten steckt zumindest ein Fünkchen Wahrheit, andere sind «Evergreens» voller Weisheit und wieder andere scheinen eine Halbwertszeit zu haben. Zur letzteren Kategorie gehört das «Januar-Barometer» gemäss dem sich das Anlagejahr so (weiter)entwickelt wie beim Start im ersten Monat des Jahres.
Besser als ein Münzwurf…
…aber mit abnehmender Prognosequalität
Das «Januar-Barometer» auf dem Prüfstand
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Popularisiert wurde die Idee zuerst im Jahr 1972 von Yale Hirsh im «Stock Trader’s Almanac». Für die Erklärung der vermeintlichen Prognosefähigkeit des Januars gibt es verschiedene Ideen – doch keine kann wirklich überzeugen. Die Begründung, dass sich das Momentum von Jahresbeginn in den folgenden Monaten fortsetzt, hat jedenfalls wenig Fundament. Ein echter «Momentum-Effekt» lässt sich am Aktienmarkt nämlich erst über längere Zeiträume von sechs oder zwölf Monaten nachweisen. Auch die Idee, dass sich die Marktteilnehmer im Januar für das weitere Jahr positionieren und bei positivem (negativem) Ausblick mehr (Ver-)Kauf(s)nachfrage besteht, ist nicht wirklich überzeugend. Denn dies würde implizieren, dass die Mehrheit eine gut funktionierende Kristallkugel ihr Eigen nennen könnte. Fakt ist, dass die Börsenweisheit in den 1950er, 60er und 70er Jahren erstaunlich gut funktioniert hat. Zwischen 1950 und 1980 gab der Januar in 26 von 31 Fällen die richtige Richtung vor – eine Trefferquote von knapp 84%! In den letzten 40 Jahren ist die Zuverlässigkeit des Barometers allerdings zurückgegangen. Seit 1981 beträgt der Anteil der richtigen «Vorhersagen» nur noch 65%.
Ein negativer Januar…
…verhiess früher schwächere Performance
Entwicklung des S&P500 in den Monaten Februar bis Dezember (1950-2020)
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Gräbt man noch etwas tiefer in der Statistik, dann wird der nachlassende (Mehr-)Wert der Börsenweisheit noch offensichtlicher. Vor der Jahrtausendwende gab der Januar nicht nur eine gute Indikation für die Richtung, sondern auch für das Gewinnpotential im weiteren Jahresverlauf. Damit lieferte er eine Idee dafür, wie aggressiv oder konservativ man sich von Februar bis Dezember positionieren sollte. Betrachtet man die Statistik seit 1950, so war die weitere Jahresperformance im Falle eines negativen Januars im Schnitt rund zehn Prozentpunkte (!) tiefer als im Falle eines positiven Januars – also signifikant schlechter. In den letzten 20 Jahren wäre man gemäss dieser Logik allerdings stets zu vorsichtig unterwegs gewesen. Denn seit dem Jahr 2000 folgte auf einen negativen Januar nicht nur in drei Viertel der Fälle ein positiver Rest des Jahres, mit einer Performance von 7.5% im Schnitt (und mehr als 15% im Median) war der weitere Jahresverlauf sogar ertragreicher als ein «beliebiges» Jahr.
In letzter Zeit ziemlich unpräzise
Hat die Börsenweisheit ausgedient?
«Januar-Barometer» seit der Jahrtausendwende
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank