Wasser: Lebenselixier und strategischer Rohstoff
In Zeiten des beschleunigten Klimawandels und steigender Umweltbelastung wird Wasser zu einem immer knapperen, strategischen Rohstoff. Doch es ist nicht nur ein Lebenselixier, auch Umweltkatastrophen und geopolitische Konflikte stehen im Zusammenhang mit Wasser. Als Oldtimer der Nachhaltigkeit bietet das Thema für Anleger grosses Potential. Investitionen in innovative Wasserunternehmen generieren nicht nur eine finanzielle Rendite und Diversifikation, sondern auch eine gesellschaftliche Dividende.
Umweltbelastung und gesellschaftliche Verantwortung
Wasser scheint in unseren Breiten im Überfluss vorhanden. Global betrachtet ist (Trink)Wasser aber ein rares und immer knapper werdendes Gut. Die wachsende Umweltverschmutzung durch Industrieabfälle, Chemikalien und Plastik belastet die Wasservorkommen weltweit. Gleichzeitig führt der Klimawandel zu extremen Wetterereignissen wie Dürren, Überschwemmungen und schweren Stürmen, die den natürlichen Wasserhaushalt durcheinanderbringen und die ohnehin angespannte Wasserversorgung weiter belasten. Die Übernutzung von Wasserressourcen durch Landwirtschaft, Industrie und den urbanen Raum verschärft das Problem zusätzlich und gefährdet ganze Ökosysteme. Diese ökologischen Herausforderungen haben weitreichende soziale Implikationen: In vielen Entwicklungsländern haben Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, was zu gesundheitlichen Risiken wie Cholera und Typhus und einer hohen Kindersterblichkeit führt. Gerade Frauen und Mädchen leiden besonders, da sie oft für die Beschaffung von Wasser verantwortlich sind und dadurch Bildung und Berufsmöglichkeiten verpassen – buchstäblich steht ganzen Gemeinschaften „das Wasser bis zum Hals“. Investitionen in sauberes Wasser könnten laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedes Jahr bis zu 1,6 Millionen Todesfälle verhindern. Das Engagement von Regierungen und Unternehmen ist beim Thema Wasser sowohl wirtschaftlich unabdingbar als auch ethisch geboten.
Die Quellen versiegen | Die globalen Wasserressourcen sinken stetig
Wasserverfügbarkeit pro Person (1961 =100)
Quellen: World Bank Group, Kaiser Partner Privatbank
Wasserknappheit: Vom Durst der Künstlichen Intelligenz…
Auch im Technologiesektor spielt die Ressource Wasser eine immer bedeutendere Rolle. Besonders der rasante Aufschwung von Künstlicher Intelligenz (KI) und Cloud-Technologien treibt den Wasserverbrauch in die Höhe, da leistungsstarke Rechenzentren enorme Mengen an Energie verbrauchen und entsprechend effizient gekühlt werden müssen. Zwar kann ein Teil dieses Wassers recycelt werden, die Verluste aufgrund von Verdunstung sind aber erheblich. Zudem ist die Wasserentnahme für Rechenzentren oft regional konzentriert, was in wasserarmen Gebieten wie dem US-Bundesstaat Arizona oder in Teilen Spaniens zusätzliche Herausforderungen schafft. Und so wächst der Druck auf die Technologieunternehmen nachhaltigere Methoden zu entwickeln. Geschlossene Kühlsysteme, Regenwassernutzung und sparsame Verdunstungstechnologien gelten als vielversprechende Lösungen um den Durst der Künstlichen Intelligenz zu stillen, ohne die globalen Wasserressourcen weiter zu belasten. Zudem spielt die Standortwahl eine immer grössere Rolle, um Wasservorräte zu schonen. Gleichzeitig fordern Investoren und die Öffentlichkeit Transparenz: Unternehmen sollen ihren Wasserverbrauch offenlegen und Strategien zu dessen Reduktion vorstellen.
… und Trinkwasser aus dem Meer
Mehr als 97% des Wassers auf der Erde ist nicht süss und trinkbar, sondern salzig und ungeniessbar. Daher gilt die Meerwasserentsalzung als einer der vielversprechendsten Ansätze, um den globalen Wasserstress nachhaltig zu entschärfen. Fortschritte in Bereichen wie der Reverse-Osmose und innovativen Membrantechnologien ermöglichen es, Salzwasser immer effizienter aufzubereiten. Der hohe Energiebedarf dieser Anlagen war lange Zeit ein Nachteil, doch erneuerbare Energien und Wärmerückgewinnung senken den Verbrauch mittlerweile um bis zu 40%. Beispiele wie Israel und Singapur zeigen, wie sich durch eine Kombination aus Entsalzung, nachhaltigem Wassermanagement und Recycling fast autarke Wasserkreisläufe schaffen lassen. So können traditionelle Süsswasserquellen entlastet und regionale Engpässe abgefedert werden. Damit sich solche Lösungen global durchsetzen und die Wasserinfrastruktur resilienter werden kann, braucht es konsequente Forschung und Investitionen in eine umweltverträgliche Ausweitung dieser Technologien.
Nur 2.5% des Wassers auf der Erde ist Süsswasser… | … und 70% davon ist in Eis gebunden
Wo befindet sich das Wasser der Erde?
Quellen: USGS, Kaiser Partner Privatbank
Wasser als Wachstumsfaktor…
Wasser ist eine treibende Kraft des wirtschaftlichen Fortschritts. Von der Nahrungsmittel- und Textilindustrie über die Halbleiterfertigung bis hin zu KI-gestützten Rechenzentren: Quasi jede Branche ist auf eine sichere Wasserversorgung angewiesen. Die schwindende Verfügbarkeit des „blauen Goldes“ wirkt sich unmittelbar auf die Produktionskapazitäten ganzer Industriezweige aus und kann das Wirtschaftswachstum in betroffenen Regionen nachhaltig bremsen. Versiegen die Quellen, stocken Produktion und Wirtschaftswachstum. Die OECD warnt, dass die sich verschlimmernde Wasserkrise die globale Wirtschaftsleistung bis 2050 um 8% reduzieren könnte. In manchen Entwicklungsländern könnten die Wachstumseinbussen gar bei 15% liegen. Bereits heute verursacht veraltete Wasserinfrastruktur ökonomische Kosten von jährlich 470 Milliarden US-Dollar.
…und Risikofaktor
Wasser ist aber nicht nur ein Wachstums-, sondern auch ein Risikofaktor. Laut Berechnungen der Weltbank verursachen urbane Überschwemmungen und Hochwasserschäden jährlich Kosten in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar. Während sich Bauherren fragen müssen, ob sie in von Wasserrisiken bedrohten Landstrichen noch bauen wollen, wägen Versicherungen zunehmend ab, ob sie diese Risiken künftig weiterhin versichern wollen. Auch für andere Unternehmen wird Wasser zunehmend ein strategisch relevantes Thema, das proaktives Management erfordert. Nicht nur wachsen die regulatorischen Anforderungen, bei deren Nichteinhaltung Strafen drohen. Wenn Firmen in ihrem Wassermanagement die Nachhaltigkeit vernachlässigen, steht auch ihre Reputation sowie das Vertrauen von Investoren, Kunden und der Öffentlichkeit auf dem Spiel.
Auch bei geopolitischen Konflikten ist Wasser beziehungsweise dessen Knappheit immer öfter die Ursache. Ein Beispiel dafür ist der Grosse Äthiopische Renaissance-Staudamm, dessen Bau die ohnehin fragile Beziehung zwischen Äthiopien, Ägypten und dem Sudan weiter belastet, weil sinkende Wasserstände des Nils die Existenzgrundlage unzähliger Menschen bedrohen. Im Iran wiederum treiben anhaltende Dürreperioden, verschärft durch jahrzehntelanges Missmanagement, die Bevölkerung auf die Strasse, während Wasserknappheit ganze Regionen entvölkert und den sozialen Unfrieden befeuert. Selbst in den USA wird die Übernutzung des Colorado River zunehmend zur Belastungsprobe, da dramatische Wassereinsparungen unumgänglich werden und sowohl die Landwirtschaft als auch städtische Versorgungsnetze an ihre Grenzen kommen. Diplomatisches Geschick und vorausschauende politische Strategien sind gefragt, um Eskalationen zu verhindern und langfristige Stabilität zu gewährleisten.
Naturgewalt | Wasser ist der grösste natürliche Risikofaktor
Ursache wirtschaftlicher Schäden durch klimabedingte Katastrophen, 1970-2021
Quellen: World Meteorological Organization, Kaiser Partner Privatbank
Oldtimer der Nachhaltigkeit
Wasser kann unberechenbar und gewaltig sein. Seit Jahrzehnten macht sich der Mensch die Kraft des Wassers aber auch zu Nutze. Als Oldtimer der nachhaltigen Energieversorgung überzeugt Wasser als konstante, verlässliche sowie gleichzeitig flexibel einsetzbare Energiequelle, die auch in einer „Dunkelflaute“ (keine Sonne, kein Wind) nicht versiegt. Wasserkraft trägt zur Versorgungssicherheit bei und ist ein unschätzbares Rückgrat der Energiewende. Prominent vertreten ist das Thema Wasser auch in den Nachhaltigkeitszielen (SDGs) der Vereinten Nationen, durch die es sich aufgrund seiner sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Relevanz wie ein blaues Band zieht. Im Nachhaltigkeitsziel Nummer 6 (sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen) wird Wasser auch explizit erwähnt. Leider ist es noch lange nicht erreicht. Obwohl der Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen ein grundlegendes Menschenrecht ist, blieb dieses Fundament für Gesundheit und Wohlbefinden im Jahr 2022 noch immer 2.2 Milliarden Menschen verwehrt.
Wasserkraft | erzeugt 14% des weltweiten Strombedarfs
Prozentualer Anteil an der Stromerzeugung
Quellen: Ember, Kaiser Partner Privatbank
Investieren mit Tiefgang
Auch im Hinblick auf die nachhaltige Geldanlage ist die Wasser-Thematik etabliert. Die ersten „Wasserfonds“ wurden bereits vor rund 25 Jahren aufgelegt. Sie engagieren sich schwerpunktmässig in Unternehmen mit Bezug zu Wasserversorgung, Wassertechnologie und Umweltdienstleistungen. Die Branchen Versorgung und Industrie machen in der Regel mehr als 80% eines typischen „Wasserportfolios“ aus. Es kombiniert damit sowohl defensive als auch offensive Qualitäten und verspricht auf dem Papier ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis. Jedoch gibt es die vermeintlich gute risikoadjustierte Rendite aufgrund der hohen Sektorenkonzentration nur unter Inkaufnahme eines erhöhten „Tracking Errors“ gegenüber dem Weltaktienmarkt (z.B. MSCI All Country World Index). Wenn das Performanceversprechen denn überhaupt eingehalten wird…
Branchenfokus | Industrie und Versorger sind übergewichtet
Branchengewichtung von wasserorientierten Indizes gegenüber einem breiten Index
Quellen: MSCI, S&P Global, Kaiser Partner Privatbank
Denn zwar macht aktives Management gerade bei einem Themenfonds in der Theorie viel Sinn – es ermöglicht auf Subtrends zu reagieren und fundamental starke/schwache Unternehmen über- oder unterzugewichten. In der Praxis gelingt es der Mehrheit der Wasser-Manager aber nicht die relativ simplen, passiven Wasserindizes zu schlagen. Anleger müssen sich daher überlegen, ob sie die Fähigkeiten haben die besten Manager identifizieren zu können oder die aussichtsreichere und zugleich kostengünstigere Alternative eines Wasser-ETF bevorzugen sollen. Eine dritte Variante, die allerdings nur für aktive Anleger in Frage kommt: Weder Fonds noch ETF, stattdessen selektiv einzelne Wasseraktien auswählen – auf diese Weise spart man sich die Gebühren der Produkte, trägt das Risiko des aktiven Managements aber selbst. Welche Variante ein Anleger am Ende auch wählt. In Zeiten hoch bewerteter US-Technologieaktien setzt ein „Wasserportfolio“ nicht nur ein diversifizierendes Gegengewicht. Es trägt womöglich auch zu einem besseren Anlegergewissen bei.
Ähnliche Performance | Aber ein besseres Gewissen
Performance von wasserorientierten Indizes gegenüber dem Weltaktienindex
Quellen: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
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