Trump oder Harris? – Szenarien für die Schweiz
Wer sitzt nächstes Jahr im Oval Office? Die politische Frage des Jahres dürfte in Kürze, spätestens aber im Januar beantwortet sein. Doch was sind die möglichen Auswirkungen von Donald Trump oder Kamala Harris und ihrer Politik auf Schweizer Unternehmen? Alle vier Jahre wandert die sonst ferne US-Politik im Sorgenkasten eines Unternehmers für kurze Zeit nach oben. Chance oder Risiko? – unsere spekulativen Szenarien dienen (nur) als Denkanstösse. Am Ende kommt es anders als man denkt.
Das Warten hat (bald) ein Ende
In wenigen Tagen wird in den USA gewählt. Dass die seit Monaten währende mediale Dauerbeschallung durch die US-Wahlen nach dem 5. November ein schnelles Ende finden wird, ist allerdings nicht gesagt. Durchaus könnte das Motto auch lauten: nach der Wahl ist vor dem Wahl-Chaos. Wiederholte Auszählungen und anderweitige Verzögerungen sind bei den absehbar knappen Wahlergebnissen in den „Swing States“ praktisch vorprogrammiert. Rechtliche und verfahrenstechnische Anfechtungen könnten bis zum 17. Dezember andauern, dem Stichtag für die offizielle Nominierung der Wahlmänner, deren Stimmen dann am 6. Januar 2025 im Kongress ausgezählt werden.
Das politische Geschehen in den USA tangiert das Tagesgeschäft eines Schweizer Unternehmers in der Regel höchst selten und gehört daher nicht gerade in die oberste Schublade seines Kummerkastens. Alle vier Jahre stellt sich aber doch die Frage: Was würde Rot (Republikaner) oder Blau (Demokraten) für uns bedeuten?
In diesem Jahr also Trump oder Harris. Um die Implikationen der US-Politik auf die ferne Schweiz auszuloten, bedarf es spekulativer Kreativität entlang der Randlinien des roten und blauen Wahlprogramms. Mit Hilfe der daraus resultierenden Extremszenarien lässt sich ein Eindruck davon gewinnen, in welchen Bereichen die nächste US-Präsidentschaft hierzulande spürbare Auswirkungen haben könnte.
Szenario Trump: Florierende Schweizer Exporte dank starken US-Dollars
Donald Trump hat sich in den letzten Monaten wiederholt über den zu starken US-Dollar beschwert. Eine Währungsabwertung kann aber selbst ein Präsident Trump nicht per Knopfdruck herbeiführen. Ganz im Gegenteil sind viele Punkte auf seiner Agenda förderlich für eine starke US-Währung. So würde der von ihm vorgeschlagene allgemeine Strafzoll von 10% auf alle Importe die Nachfrage nach Fremdwährungen verringern und zugleich die Teuerung anheizen. Die US-Notenbank müsste dann mit höheren Zinsen gegensteuern. Die von Trump in Aussicht gestellte Begrenzung der Einwanderung würde ebenfalls inflationär wirken und hätte tendenziell höhere Zinsen sowie einen stärkeren Dollar zur Folge. Schweizer Unternehmen würden dank eines schwächeren Frankens wettbewerbsfähiger werden und könnten trotz der Strafzölle aufgrund der Einmaligkeit ihrer Produkte ihren Absatz in den USA steigern. Selbst der Schweizer Tourismus würde dank kaufkräftiger Amerikaner positive Effekte spüren – abgesehen vom Nebeneffekt zusätzlicher Badelatschen-Wanderer im Alpstein. Würde Trump gegenüber China wie in Aussicht gestellt Zölle von 60% durchsetzen, müssten Schweizer Unternehmen jedoch prüfen, ob sie das Reich der Mitte noch als Exportbasis nutzen können oder ein Re-Shoring sinnvoller wäre.
Eine weitere Senkung der Unternehmenssteuern auf 20% (O-Ton Trump: „schöne runde Zahl“) oder gar 15% wäre ebenfalls positiv für Schweizer Unternehmer. Dies entweder direkt, weil Tochterunternehmen in den USA weniger Steuern zahlen müssen, oder indirekt über den Wohlstandseffekt haussierender Aktienmärkte, welcher die Konsumlust der Amerikaner weiter antreiben würde. Ein Ende des Kriegs in der Ukraine innerhalb von 24 Stunden, wie von Trump angekündigt, ist wohl selbst im Szenario-Denken nur Wunschdenken. Steigender Druck auf die Nato-Länder ihre Verteidigungsausgaben auf mindestens 2% der Wirtschaftsleistung zu erhöhen wäre unter Trump 2.0 aber gewiss – und möglicherweise eine Chance für Schweizer Rüstungsfirmen. Trumps in den letzten Jahren gewandelte Meinung zu den Kryptowährungen lässt hierzulande schliesslich ebenfalls aufhorchen. Vom Aufbau einer staatlichen Bitcoin-Reserve sowie einer absehbar laxen Regulierung der Krypto-Branche würden über kurz oder lang auch Krypto-Unternehmen und Finanzinstitute aus der Schweiz profitieren.
Szenario Harris: Eine Chance für das „Swiss Valley“
Im Vergleich zum Szenario Trump käme mit einer Präsidentin Harris auf Schweizer Unternehmen womöglich grösserer Gegenwind zu. Ein Verbot von „Preistreiberei“ sowie reglementierte Höchstpreise könnten beispielsweise die Nahrungsmittelbranche und die Pharmaindustrie treffen. Zudem ist das Wahlprogramm von Harris vor allem eines: teuer. Die vorgeschlagenen Steuersenkungen und -gutschriften für Mittelstand und Familien summieren sich auf mehrere Billionen US-Dollar, ihnen stehen deutlich geringere Einnahmen aus höheren Steuern gegenüber. Unter dem Strich resultierte unter den Demokraten (wie übrigens auch mit Trump) ein dauerhaft hohes Haushaltsdefizit und eine rapide ansteigende Staatsverschuldung. Im Szenario Harris könnte sich der Finanzmarkt daran aber zu sehr stören, ein Vertrauensverlust in den US-Dollar und eine starke Abwertung der Reservewährung wären die Folge. Direkt profitieren würde davon der Schweizer Franken – mit den bekannten Risiken und Nebenwirkungen für Schweizer Exporteure.
Chancen ergäben sich unter Harris indes für diejenigen, die geeignete Lösungen für die grüne Transformation anbieten können. Für Unternehmen, die sich nachhaltigen Technologien verschrieben haben, dürfte es in den nächsten Jahren viele Fördergelder geben. Allerdings nur für jene Unternehmer, die sich über den grossen Teich bewegen. Doch auch in der Schweiz könnte Harris‘ (Umverteilungs-)Politik Effekte haben. Sollte sie die Idee von Steuern auf unrealisierte Kapitalgewinne wahrwerden lassen, könnte eine Flucht der Tech-Milliardäre aus dem Silicon Valley einsetzen. Gesucht wäre dann eine Kombination aus Steuer- und Standortattraktivität, die sich hierzulande durchaus finden lässt.
Einen kühlen Kopf bewahren (und weitermachen)
Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Kaum etwas der obigen Szenarien wird genauso eintreffen. Dies allein schon deshalb, weil es höchst unwahrscheinlich ist, dass Trump oder Harris neben dem Weissen Haus auch beide Kammern des US-Kongresses erobern werden. Ein geteilter Kongress würde aber viele Initiativen und Reformvorschläge entweder verwässern oder ganz unmöglich machen. Und selbst ein erratisch-wankelmütiger Trump sollte Schweizer Unternehmern nicht unnötig viele Sorgenfalten bereiten. Wer solche hat, sollte sich fragen, ob sich nach Trump 1.0 viel für ihn geändert hat. In der langen Frist sind es dann doch die grossen makroökonomischen und politischen Trends, welche für Unternehmen Chancen und Risiken bergen – nicht aber wer gerade im Oval Office sitzt.
Egal wer dies ab dem 20. Januar 2025 sein wird – für die Schweiz werden die USA auch in der nächsten Legislaturperiode sehr wahrscheinlich der wichtigste Handelspartner bleiben. Deutschland wurde als grösste Exportdestination bereits 2021 abgelöst. Um Innovationsweltmeister zu bleiben, muss die Schweiz auch in Zukunft einen engen Austausch mit den Vereinigten Staaten pflegen, welche bei wichtigen Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz und Biotechnologie den Ton angeben.
Apropos Künstliche Intelligenz: Die Unterkategorie der generativen KI, wie sie vor allem in Form von Chatbots wie ChatGPT bekannt geworden ist, dürfte aus dem Alltag der meisten Schweizer Unternehmer demnächst kaum mehr wegzudenken sein. Die Kaiser Partner Privatbank nutzt die Möglichkeiten der neuen Technologie bereits heute in der täglichen Praxis. Natürlich haben wir daher auch ChatGPT mit der Fragestellung möglicher Auswirkungen des US-Wahlergebnisses auf die Schweiz konfrontiert. Ohne einen Disclaimer geht es allerdings nicht: ChatGPT hat zwar viel Fantasie, denkt aber in Schubladen und zeichnet von den Präsidentschaftskandidaten und deren politischer Ausrichtung ein teils extremes Bild, welches von der Realität ein gutes Stück weit entfernt ist. Die folgenden Ausführungen sind daher vor allem als eines zu verstehen: Satire.
Szenario Trump: Die Schweiz als einundfünfzigster Staat der USA
Nach der Wahl beschliesst Trump in einem völlig unerwarteten Schachzug die Schweiz als neuen Bundesstaat in die USA aufzunehmen, weil er von der Schönheit der Alpen und dem exquisiten Käse begeistert ist. „America needs more mountains!“ lautet sein neuer Slogan. Schweizer Unternehmen wie Nestlé und Roche werden plötzlich als „American Companies“ neu gebrandet und müssen sich auf die Anpassung an die „neuen“ US-Standards einstellen. Toblerone wird in der XXL-Version verkauft – grösser als der Eiffelturm – und erhält eine patriotische Neuauflage in den Farben Rot, Weiss und Blau.
Eines der ersten Projekte Trumps nach der Integration der Schweiz in die USA: Er baut eine massive Mauer an den Schweizer Grenzen, um „illegale Käseschmuggler“ aus Frankreich und Italien abzuwehren. Schweizer Bauern werden von Trump zu „Heroes of Dairy“ ernannt, und es wird eine neue Steuer auf importierte Käsealternativen wie „Feta“ oder „Parmesan“ erhoben. Die Schweizer Landwirtschaft floriert, weil jeder Amerikaner eine „Trump-Approved“ Kuh in seinem Garten haben muss. Kuhmieten werden so profitabel, dass die UBS ihre Filialen in Coworking-Kuhställe umwandelt.
Trump beschliesst, dass die Präzision der Schweizer Uhrenindustrie endlich amerikanisiert werden muss. Er verhandelt persönlich mit Rolex, um den „Trump Presidential Timekeeper“ zu entwickeln – eine Uhr, die so genau ist, dass sie die Zeit um eine Stunde zurückdrehen kann, wenn Trump meint, das sei nötig. Schweizer Uhrenhersteller erzielen Rekordgewinne, obwohl jede Uhr mit einem kleinen goldenen Trump-Logo versehen werden muss.
In einem weiteren skurrilen Schritt lässt Trump den Schweizer Franken abschaffen und den „Swiss Dollar“ einführen. Schweizer Banken jubeln, denn der neue Dollar kommt mit goldener Prägung, die sich hervorragend für Sammler eignet. In jeder Bankfiliale gibt es nun kleine Trump-Statuen, und es wird der „Trump Financial Independence Day“ gefeiert, an dem alle Schweizer ein goldgesprenkeltes Gewehr und eine Tüte Käsefondue geschenkt bekommen.
Szenario Harris: Schokolade für alle
Unter Kamala Harris‘ Führung verwandelt sich die Schweiz in das neue Mekka der globalen Gerechtigkeit. Schweizer Unternehmen werden verpflichtet 50% ihrer Produktion an „Community Chocolate Centers“ zu spenden, wo jeder Mensch kostenfrei Schokolade bekommt. Die berühmten Schweizer Uhrenfabriken stellen um und produzieren nur noch „Equal Time“-Uhren, die sicherstellen, dass jeder Mensch auf der Welt genau die gleiche Zeit hat – es gibt also keine Zeitzonen mehr, sondern nur noch „Harris Time“. Dies sorgt für Verwirrung, besonders bei internationalen Telefonkonferenzen, doch es entsteht ein Gefühl von planetarer Synchronität.
Harris setzt die grösste Umweltinitiative der Geschichte um – den „Green Glacier Deal“ – und die Schweiz wird zum Mittelpunkt dieser Bemühungen. Die Schweizer Gletscher werden mit umweltfreundlichen Solarzellen überzogen, die die gesamte europäische Energieversorgung übernehmen. Schweizer Energieunternehmen wie ABB und Alpiq erhalten den Auftrag den gesamten Planeten in „Energie-Gletscher“ zu verwandeln. Schweizer Banken finanzieren das Projekt durch spezielle „Gletschersparbücher“, die eine jährliche Dividende in Form von Schmelzwasser ausschütten.
Unter Harris wird das Berner Parlament in ein riesiges Yoga-Zentrum umgewandelt, wo Abgeordnete Entscheidungen durch „kollektives meditiertes Atmen“ treffen. Schweizer Unternehmen müssen ihre Arbeitszeiten auf fünf Stunden pro Woche reduzieren damit Mitarbeiter mehr Zeit für „persönliche Erleuchtung“ haben.
In einem waghalsigen Schritt dehnt Harris die traditionelle Neutralität der Schweiz auf den gesamten Kosmos aus. Schweizer Diplomaten verhandeln Friedensverträge zwischen der Erde und neuen intergalaktischen Zivilisationen. Schweizer Unternehmen exportieren nun nicht mehr nur in die USA, sondern auch nach Alpha Centauri, wobei der Milchpreis aufgrund der langen interstellaren Lieferketten auf mysteriöse Weise stabil bleibt.