Surfen auf der Technologie-Welle
Technologiekonzerne dominieren heutzutage mehr denn je unseren Alltag – und ebenso die Aktienmärkte. Durch die Corona-Krise haben technologische Megatrends wie digitale Transformation und Cloud Computing einen weiteren Schub erhalten. Auch in den kommenden Jahren verspricht die Technologiebranche überdurchschnittliches Wachstum und interessante Investitionsmöglichkeiten. Eine hohe Rendite bedeutet dabei nicht zwingend auch hohe Risiken, denn viele Geschäftsmodelle sind heutzutage weitgehend unabhängig von Konjunkturzyklen. Wie so oft ist die richtige Titelselektion aber entscheidend.
Nichts geht mehr ohne FANMAG
Online-Shopping bei Amazon, Navigieren via Google Maps und Freunde treffen auf Facebook – all dies ist für uns in den letzten Jahren so normal geworden wie das Zähneputzen. Die Internetriesen begleiten uns im Alltag, ohne dass es uns auffällt. An der Börse fallen die Titel von Facebook, Amazon, Netflix, Microsoft, Apple und Google (beziehungsweise Alphabet), die auch unter dem Akronym FANMAG bekannt sind, allerdings durchaus auf. Nach einem jahrelang andauernden Kursaufschwung sind sie mittlerweile so schwergewichtig geworden, dass sie mehr als 20% der Marktkapitalisierung des S&P500 Index ausmachen, welcher die 500 grössten US-Unternehmen beinhaltet. Im US-Technologieindex Nasdaq 100 haben allein diese sechs Aktien gar eine Gewichtung von rund 50%.
Ein gewichtiges Akronym
Tech-Aktien dominieren die US-Aktienindizes
Marktkapitalisierung der FANMAG*-Aktien relativ zum S&P500 Index

*FANMAG= Facebook, Amazon, Netflix, Microsoft, Apple, Google (Alphabet)
Quelle: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
«Everything from home» während der Pandemie
Die FANMAG-Aktien widerspiegeln den unaufhaltbaren Trend der digitalen Transformation. Dieser hat durch die Corona-Krise nochmals einen weiteren Schub erhalten. Praktisch von heute auf morgen wurde beispielsweise das Home-Office für viele Arbeitnehmer zum neuen Arbeitsort und Videokonferenzen per Microsoft Teams oder Zoom zur neuen Gewohnheit. Dokumente unterzeichnen, obwohl die Mitarbeiter an verschiedenen Standorten sitzen – selbst dies war kein Problem: die Cloud macht es möglich. Und auch wenn die Premiere des neuesten Blockbuster-Films der Pandemie zum Opfer fiel – Unterhaltung gab es dafür im Netflix-Heimkino oder beim Spotify-Konzert.
Nach «Corona» wird nichts mehr so sein wie zuvor…(!) Diese in Krisenzeiten gern gemachte Aussage dürfte sich auch diesmal nicht bewahrheiten. In Bezug auf technologische Megatrends wie Digitalisierung oder Cloud Computing dürfte die Gesundheitskrise aber zumindest als ein nachhaltiger Beschleuniger wirken. Denn auch wenn bald langsam wieder Normalität in unseren Alltag einkehrt, dürften Unternehmen und Verbraucher die neuen «Gewohnheiten» zumindest teilweise beibehalten (wollen). Für Firmen macht dies nicht zuletzt auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht Sinn, denn der Umstieg auf digitale Kanäle kann unter anderem Büroflächen (beziehungsweise Mietkosten) sowie Reisespesen sparen.
Welche Krise…?
Wachstum (fast) unabhängig vom Konjunkturzyklus
Globaler Markt für Cloud-Computing-Dienstleistungen, im Milliarden US-Dollar
Quelle: Gartner, Kaiser Partner Privatbank
Solide Fundamentaldaten
Das Auseinanderlaufen von «New Economy» und «Old Economy» war selten stärker zu spüren als in den vergangenen Wochen. Während zum Beispiel Fluggesellschaften pandemiebedingt ums Überleben kämpfen müssen, verzeichneten verschiedene Segmente der Technologiebranche nie dagewesene Umsatzsprünge. Aber auch Tech-Unternehmen mit etwas weniger disruptiven Geschäftsideen sind vergleichsweise besser durch die Krise gekommen. Dies weil die Geschäftsmodelle der Branche heutzutage oft weitgehend «krisenresistent» und konjunkturunabhängig sind. So werden etwa Software und Cloud-Dienstleistungen in der Regel als Abonnements verkauft und bringen regelmässige Einnahmen (und Gewinne).
Auch bezogen auf die Entwicklung am Aktienmarkt hat die Technologiebranche die Corona-Krise bereits wieder komplett hinter sich gelassen: Anfang Juni hat der Nasdaq Index bereits wieder ein neues Allzeithoch markiert. Die inzwischen mehr als 11 Jahre andauernde Tech-Rally setzt sich also weiter fort. Mit Blick auf die Fundamentaldaten steht sie dabei auf solidem Boden. Der Kursaufschwung der letzten Dekade war nämlich stets durch starkes Umsatzwachstum, hohe Margen und entsprechend gute Unternehmensgewinne unterlegt. Trotz teils rasanter Kurszuwächse ist die Bewertung von Technologieaktien heute deshalb nicht unbedingt (zu) teuer – und keineswegs vergleichbar mit der blasenähnlichen Überbewertung, die zur Jahrtausendwende zu einer jahrelangen Baisse im Tech-Bereich führte. Eine kleine Bewertungsprämie gegenüber dem Gesamtmarkt ist zwar vorhanden. Diese erscheint in Anbetracht des überdurchschnittlichen Wachstums und der hohen Profitabilität aber gerechtfertigt. In der Summe sprechen die Fundamentaldaten und der Branchenausblick – ungeachtet unumgänglicher, temporärer Korrekturen – für weiteres Aufwärtspotential bei Technologieaktien in den kommenden Jahren.
Nicht auf Sand gebaut
Hohe Gewinnwachstum rechtfertigt hohe Kurse
Gewinnentwicklung S&P500 IT Index vs. S&P500 Index

Quelle: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank
Chinas Antwort aufs Silicon Valley
Der Blick sollte dabei aber nicht allein auf das Silicon Valley gerichtet sein. Denn auch wenn US-Unternehmen in unseren Breiten die Technologiebranche dominieren, gibt es auch in Europa, Japan und Südkorea interessante Spieler. Die grösste Konkurrenz für FANMAG kommt allerdings aus China. Das Reich der Mitte hat in den letzten Jahren Internetriesen wie Alibaba (E-Commerce) und Tencent (Social Media) hervorgebracht, die sich inzwischen auch im Westen einen Namen gemacht haben.
Gewachsen sind sie in einem Heimatmarkt, der selbst den grössten westlichen Markt – die USA – um Längen in den Schatten stellt. Obwohl nur rund 60% der Chinesen Zugang zum Internet haben, ist der chinesische Markt mit mehr 800 Millionen Nutzern in etwa dreimal so gross wie der amerikanische. Dabei ist das mobile Internet in China viel weiter verbreitet als in westlichen Ländern und sozusagen Standard. Eindrücklich zeigt sich dies am Beispiel des mobilen Bezahlens: mehr als 40% der Chinesen (583 Millionen Nutzer) zahlen heutzutage mit dem Handy, in den USA ist es nur etwa jeder fünfte Nutzer (62 Millionen). Die Wachstumsraten des chinesischen Internetmarkts sind zudem nach wie vor deutlich höher als in den Industrieländern. Ein weiterer Schub ist nun mit der Einführung des 5G-Mobilfunknetzes zu erwarten, welches von der chinesischen Regierung mit hohem Tempo vorangetrieben wird.
Ein riesiger Markt…
…mit weiterem Wachstumspotential
Internetvergleich USA vs. China
Quelle: South China Morning Post, Kaiser Partner Privatbank
Auch in puncto Innovationsfreude können sich westliche Unternehmen bei den Chinesen etwas abgucken. Mit WeChat oder Alipay sind zum Beispiel regelrechte «Super-Apps» entstanden, über die man vom Einkaufen, über das Buchen von Taxis und Flügen bis hin zu Geldgeschäften alles Erdenkliche an einem «Ort» erledigen kann. Neue Geschäftsmodelle können an diese Apps in kürzester Zeit angedockt werden, was den Zugang zu einem Pool von weltweit jeweils mehr als einer Milliarde Nutzer ermöglicht. Dieses Modell ist so erfolgreich, dass es inzwischen selbst von Facebook kopiert wird. Im Bereich des mobilen Internets können also (ausnahmsweise) auch die USA einmal etwas von China lernen. Der Zugang zum riesigen Markt von chinesischen Konsumenten dürfte den Unternehmen aus dem Westen hingegen weitgehend versperrt bleiben. Dieser wird von den Chinesen nämlich regelrecht abgeschottet.
Wer global in die technologischen Megatrends der nächsten Jahre investieren möchte, kommt an chinesischen Unternehmen daher nicht vorbei. Sie haben sich mittlerweile als ernstzunehmende Konkurrenz etabliert, insbesondere im Bereich digitaler Plattformen. Selbst das chinesische Pendant zu FANMAG gibt es bereits: BAT (Baidu, Alibaba, Tencent). In unserem Aktien-Basket «Disruptive Technologies» kombinieren wir das Beste aus den zwei Technologie-Welten: Wir setzen sowohl auf die Marktführer aus dem Silicon Valley und aussichtsreiche amerikanische Nischenplayer in zukunftsträchtigsten Technologiesektoren sowie auf die schnell wachsenden Champions aus China.
Nicht allein «Made in USA»
Ein globaler Megatrend
MSCI Welt IT Index vs. MSCI Welt Index

Quelle: Bloomberg, Kaiser Partner Privatbank