Market Pulse: Handelskrieg und seine Auswirkungen auf die US-Industrie
Im neuen Kapitel der Saga kündigt Donald Trump die Einführung neuer Zölle für chinesische Waren im Wert von 300 Milliarden Dollar an. Der Handelskrieg zwischen Washington und Peking eskaliert also weiter.
Achtzehn Monate nach Beginn des Handelskrieges sind seine Auswirkungen bereits weltweit real spürbar. Die US-Wirtschaft, die durch den Handelskrieg eigentlich geschützt werden sollte, scheint am stärksten betroffen zu sein. Einige Prognostiker gehen davon aus, dass das in den kommenden Jahren bis zu 1 % des Wirtschaftswachstums kosten könnte. In kleinerem Umfang bekommen Unternehmen und ganze Industriezweige die Auswirkungen der US-Zölle bereits jetzt schmerzhaft zu spüren, da sich durch die Zölle die Importpreise in die USA für zahlreiche Waren erhöht haben. Somit haben sich die Kosten für genau diejenigen Unternehmen erhöht, die durch die Zölle geschützt werden sollten. Einige große Unternehmen und Industriezweige machen den Handelskrieg des Präsidenten für eine Verschlechterung ihrer Situation verantwortlich. Bis jetzt sorgt der Handelskrieg für einen Rückgang im weltweiten Handel.
Die jüngsten Aktionen von US-Präsident Trump haben das Risiko eines ausgewachsenen Handelskrieges zwischen den beiden Ländern weiter erhöht. Sehr wahrscheinlich werden einige Industriezweige stärker davon betroffen sein als andere. Im Folgenden führen wir die Bereiche auf, die besonders gefährdet sind.
Landwirtschaft
Vielleicht sind die Auswirkungen des Handelskrieges auf Teile der US-Landwirtschaft am augenfälligsten. Für viele landwirtschaftliche Güter, insbesondere Sojabohnen, stellt China den größten Exportmarkt der US-Landwirte dar. Das ändert sich gerade aufgrund der Handelszölle von Trump, da sich chinesische Importeure nun anderswo nach einer günstigeren Alternative umsehen. Im vergangenen Jahr exportierten die US-Landwirte noch 60 % ihrer Sojabohnen nach China. Mittlerweile sind jedoch viele Landwirte aufgrund der geringen Nachfrage gezwungen, den Sojaanbau aufzugeben. Falls China weiterhin weniger landwirtschaftliche Produkte aus den USA kauft oder den Kauf ganz einstellt, werden die Landwirtschaft und die damit verbundenen Industriezweige dadurch wahrscheinlich spürbar unter Druck geraten und leiden.
Produzierendes Gewerbe
Trump will mit dem Handelskrieg ja unter anderem vor allem das produzierende Gewerbe in den USA wiederbeleben, das seinen Worten nach jahrzehntelang unter der Billigproduktion in Asien, insbesondere in China, gelitten habe. Erste Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass die Handelszölle das Gegenteil bewirken und dem produzierenden Gewerbe aktiv schaden. Die Produktion ist in den USA bereits zurückgegangen und die Hauptgründe für diesen Rückgang sollen laut Industriedaten der neue Protektionismus und die allgemeine Unsicherheit sein.
Automobilindustrie
Die angespannten Handelsbeziehungen treffen auch die US-amerikanische Automobilindustrie besonders hart. Im vergangenen Jahr erhöhte China als Vergeltungsmaßnahme die Zölle für importierte US-Fahrzeuge von 15 % auf 40 %. Während die Chinesen nun vor allem im eigenen Land produzierte Fahrzeuge kaufen, treffen die angespannten Handelsbeziehungen die Automobilhersteller in den USA schwer. China ist auch das Herzstück der komplizierten globalen Zulieferkette in der Automobilindustrie. Daher müssen die US-Hersteller jetzt mehr für Fahrzeugteile aus China zahlen, weil diese nun höher besteuert werden.
Technologie
Auch die Chip- und Elektronikhersteller, deren Umsätze sehr von China abhängig sind, sind von einem Handelskrieg besonders betroffen. Apple konnte bislang Zölle auf seine in China hergestellten Smartphones vermeiden. Das wird aber nicht mehr möglich sein, sobald Trump, wie angedroht, Zölle auf alle chinesischen Importe erhebt. Der Handelskrieg hat sich bereits negativ auf die Einnahmen des iPhone-Herstellers ausgewirkt, da dadurch die Binnennachfrage in China geschwächt wurde. Andererseits werden Unternehmen wie Amazon, Netflix oder Alphabet wahrscheinlich nicht unter den Handelsstreitigkeiten leiden, da es deren Kunden um Unterhaltung, Komfort, wettbewerbsfähige Preise und ein breitgefächertes Informationsangebot geht.
Wie kann man noch investieren?
Wenn es zu einem ausgewachsenen Handelskrieg kommt, sollte man sich unserer Meinung nach auf Aktien konzentrieren, die ihren Schwerpunkt im inländischen Markt haben, mit starken Fundamentaldaten und niedrigen Betas, weil diese Aktien meist weniger empfindlich auf Veränderungen im BIP reagieren. Insbesondere Unternehmen aus defensiven Branchen wie Immobilien, Finanzen und Versorgungswirtschaft könnten es schaffen, sich in einem solchen Szenario besser als der allgemeine US-Aktienmarkt zu entwickeln. Außerdem bevorzugen wir eher dienstleistungsorientierte Unternehmen und weniger solche, die sich auf den Verkauf von Waren konzentrieren. Auch mit Rohstoffen kann man sich gegen zwei der drei zu erwartenden Folgen eines Handelskrieges absichern, und zwar gegen höhere Preise sowie gegen einen schwächeren Dollar.