Im Mai verkaufen und nach Hause gehen?
Marktüberblick
Die meisten globalen Aktenmarktindizes verzeichneten in den ersten vier Monaten den besten Jahresstart seit mindestens 1999, in dessen Verlauf sie, beflügelt durch eine konziliantere US-Notenbank (Fed) und positive Wirtschaftsaussichten, eine starke Erholungsrally vollzogen. «Sell in May and go away» — eine vielfach befolgte Börsenweisheit, die auf der historisch gewöhnlich unterdurchschnittlichen Performance der Aktienmärkte in den sechs Monaten von Mai bis Ende Oktober gegenüber den im Zeitraum von November bis April erzielten Gewinnen beruht — hat sich im Zeitverlauf mehr oder weniger bewahrheitet, doch die in den letzten Jahren damit erzielten Ergebnisse waren miserabel. Allerdings scheint ein Grossteil der schlechten Nachrichten inklusive Ertragsherabstufungen, die die Märkte normalerweise von Mai bis Ende Oktober belasten würden, von den Anlegern bereits eingepreist worden zu sein. Die grösste über den weltweiten Märkten hängende Gewitterwolke ist nach wie vor der von US-Präsident Donald Trump initiierte ungelöste Handelskrieg mit China. Demgegenüber besteht aber auch ein dynamisches Aufwärtspotenzial, nachdem China eine Reihe stimulierender Massnahmen eingeleitet hat, um den Wirtschaftsabschwung des Landes zu bremsen.
Konjunkturaussichten
Nach einem starken Wachstum im Jahr 2017 und Anfang 2018 trat in der zweiten Jahreshälfte 2018 eine merkliche Abkühlung der weltweiten Konjunktur ein, die auf das Zusammentreffen von Faktoren zurückzuführen war, welches die wichtigen Volkswirtschaften in Mitleidenschaft zog. Das Wachstum Chinas verlangsamte sich nach der Umsetzung einer Reihe notwendiger regulatorischer Restriktionen zur Bekämpfung von Schattenbankaktivitäten und aufgrund gestiegener Spannungen im Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten. Enttäuschende Daten veranlassten den Internationalen Währungsfonds (IWF) im vergangenen Monat dazu, seine Prognosen für das Weltwirtschaftswachstum von 3,5 auf 3,3 Prozent zu senken. Einen Monat später sieht diese Vorhersage konservativ aus, nachdem die drei grössten Volkswirtschaften der Welt — die EU, China und die USA — ihre Schätzungen für das erste Quartal veröffentlicht haben und alle drei besser als erwartet ausfielen. Auch das konjunkturelle Umfeld scheint sich entspannt zu haben, denn die Fed signalisierte kürzlich eine konziliantere geldpolitische Einstellung.
Ausblick von Kaiser Partner
Wir erwarten im Jahresverlauf 2019 ein weiteres Wachstum, allerdings auf niedrigerem Niveau. Die günstigen fiskal- und geldpolitischen Bedingungen dürften wahrscheinlich anhalten und die Märkte unterstützen. Wir erwarten keine Konjunkturstagnation, da die Zentralbanken die Marktentwicklung bei ihren Massnahmen berücksichtigen und offenbar bereit sind, den Markt zu stabilisieren. Aus diesem Grund erwarten wir auch keine Rezession für die USA. Wir rechnen jedoch mit weiterhin erhöhter Volatilität im Aktien- und Anleihenmarkt. Insgesamt werden wir unser Portfolio weiterhin auf eine Spätphase im Konjunkturzyklus, höhere Volatilität und politisch bedingte Unsicherheit ausrichten. Wir behalten unsere derzeitige Positionierung bei, beobachten jedoch die Märkte weiterhin sorgfältig.